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ſuchte. Die deſſauiſche Durchlaucht ſtand beim Volke genau auf derſelben Stufe wie ein Wunderthier oder eine ſonſtige ans Fabelhafte ſtreifende Merkwürdigkeit. Man hatte zu viel des Sonderbaren von dem„deſſauiſchen Schwerenöther“ gehört, um nicht begierig zu ſein, ihn ſelbſt von Angeſicht zu Angeſicht zu ſehen.
Kaum hatte die Stadtuhr das zweite Viertel der fünften Morgenſtunde verkündet, als auch theils zu Wa⸗ gen, theils zu Pferde Fürſt Leupold, von dreien ſeiner Prinzen, Leopold Maximilian, Dietrich und Moritz, und einer Suite preußiſcher Offiziere begleitet, Merſe⸗ burg paſſirte und ohne Aufenthalt ſich in das Lager des ſächſiſchen Infanterieregiments begab. Die Ankunft des durchlauchtigen preußiſchen Feldmarſchalls war das Signal, daß ſich das Regiment ſofort auf den Exercirplatz be⸗ gab, und nach beifälliger Muſterung der ſchönen, wohl⸗ genährten und gut gekleideten Soldaten begannen die Uebungen en bataille und im Feuer, wobei Fürſt Leupold ſeine beiden ältern Söhne— Moritz war da⸗ mals noch Knabe— auf den rechten und linken Flügel als Flügelmänner ſtellte, welche in dieſer Eigen⸗ ſchaft ſämmtliche Exercitien mitmachten.
Gleich einem Alles überflutenden Strome hatte ſich die Zuſchauermenge aus der Stadt nach dem Anger gedrängt und ſtand einer Mauer gleich im Viereck um das


