Teil eines Werkes 
3. Bd. (1870)
Entstehung
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210 Schweig' Böſewicht! Jedes Wort von Dir iſt Lüge. Du verläßt die Garderobe nicht, bis

Sie gelangte nicht zu Ende. Mit der Behendigkeit eines Raubthiers ſprang er auf ſie zu und bemächtigte ſich ihres bewaffneten Arms mit einem glücklichen Griffe, während ſeine andere Hand wie eine Eiſenklammer raſch um ihren Hals ſich legte, daß ſich kein Schrei ihrem Munde entringen konnte. In wenig Augenblicken mußte ſie erwürgt zu ſeinen Füßen zuſammenſinken.

In dieſem verhängnißvollen Moment geſchah etwas, das ihn erſchreckte und an der ſofortigen Ausführung ſeines Vorhabens hinderte. Er hatte das kleine Mädchen vergeſſen, das ſich erſchrocken hinter den Schirm geflüch⸗ tet und jetzt, da es ſeine Mutter von dem Fremden an⸗ gegriffen ſah, ein mörderliches Geſchrei erhob. Einen Fluch ausſtoßend, hielt Oertzen, nach der Schreienden blickend, in ſeinem entſetzlichen Beginnen ein, und dieſer Moment war zugleich der Wendepunkt in ſeinem Ver⸗ brecherleben. Auf der Schwelle der Thür erſchien auf das Schreien des kleinen Mädchens eine koloſſale Män⸗ nergeſtalt im Coſtüm eines Wilden, mit einem zottigen, von Meſſingſpangen feſtgehaltenen Bärenfell angethan, in der Hand eine mächtige Keule haltend. Ohne Zaudern ſchwang er dieſe ſchwere Waffe, die, die Schulter des Junkers faſt zerſchmetternd, dieſen ſofort in die Kniee