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mals ſeine Fügung nicht, heute erſt erkenne ich ſie. Der Seiltänzer Pinetti kam mit ſeiner kleinen Geſellſchaft und einem Wagen auf der Landſtraße am Waldrande, wo ich lag, vorüber. Der Mann erbarmte ſich mein, er nahm mich mit. Ich wurde ſein Weib in wilder Ehe, denn um zu leben, blieb mir kein anderes Mittel als die Unehre; aber ich wollte, ich mußte leben, ich hoffte auf Rache an Dir. Mein Knäblein ſtarb, ich aber blieb leben. O, des Knäbleins Tod machte mich luſtig ſogar. Es war Dein Kind, und als ich es vor mir ſterben ſah, da kam's wie eine Bürgſchaft mir zu Sinn, daß ich auch Dich vor meinem Angeſicht noch zu Grunde gehen ſehen würde. An dem Gedanken zehrte ich, wie ein Verhungernder an der aufgeſparten letzten Brodrinde krumenweiſe zehrt, und heute ſoll er ſich erfüllen. Du entkommſt dem Gerichte nicht. Gott hat Dich meiner Hand übergeben. Es ſoll und muß aus ſein mit Dir, mit mir.“
Was von der alſo Sprechenden zu erwarten ſei, konnte dem Junker kein Geheimniß bleiben. In ihrem ſtieren und doch ſo unheimlich funkelnden Auge kündete ſich die durch eine Reihe Jahre vorbereitete fixe Idee, die Rächerin des an ihr begangenen Verbrechens werden zu müſſen. In ihren Lebensverhältniſſen, dem öftern Wechſel und mithin vielfacher Zerſtreuung unterworfen,


