wohnte die hohe Frau einer fröhlichen Maskerade in den weiträumigen Schloßſälen bei. Um ſich für die freudloſe Einſamkeit ihres Torgauer Hofhalts zu entſchädigen? Nein, um dem gefällig zu ſein, welcher ſo ſchwer an ihrem Herzen ſich vergangen und noch verging.
Wie ſtark in der Kunſt der Entſagung mußte der Charakter dieſer Fürſtin ſein, um auch nur die eine Stunde in dem luſtigen Gewühle dieſes Hofjubels aus⸗ zuhalten! Sie erſchien dabei ohne Maske und war nur Zuſchauerin.
Welch reiche Pracht in den von einem Lichtmeere ſtrahlenden Räumen!
Dieſe Hofredouten waren keine für Bürgerliche ab⸗ geſchloſſenen. Der König liebte es, viele heitere Menſchen um ſich zu ſehen, und darum war der Tanzplatz in zwei Hälften getheilt. Die für den Hof und deſſen erlauchte Gäſte war eine ſehr umfangreiche, prächtig decorirte Eſtrade, zu welcher einige Stufen hinaufführten. Ein königlicher Hauptmann nebſt einigen Trabanten hatte hier ſeinen Poſten. Jeder, der dieſen erhöhten Circus betreten wollte, war verpflichtet, die Maske abzunehmen, um ſich zu erkennen zu geben; Fremde von Adel gaben ihren Namen dem Hauptmann an, der ſie in ein Buch aufzeichnete. Hinter dieſer Eſtrade lagen die Spielzimmer und der große Speiſeſaal, in welchem achtzehn Tafeln


