Klaſſen derſelben, war ihr Kommen ſtets etwas Er⸗
hebendes. Man nannte die hohe Frau die Betſäule Sachſens 1 und bezeichnete damit den hohen Grad ihrer Frömmig⸗ 12
keit. Wo ſſie ſich blicken ließ, empfing ſie vom Volke die aufrichtigſten Beweiſe der Verehrung und Zuneigung. Es war unmöglich, daß ſich die Theilnahme an ihrem Geſchicke, welches ihrem edlen weiblichen Herzen ſo harte, mit wahrhaft chriſtlichem Heroismus getragene Prüfungen
auferlegt hatte, deutlicher ausſprechen konnte. 1 König Auguſt ſelbſt, obwohl das eheliche Band mit ihr eben nur dem Namen nach noch beſtand, wagte es 42* 1
nicht, ſie in irgend einer Art zu behelligen, die öffentliche Meinung des ganzen Landes mußte reſpectirt werden; aber ungeachtet der Hochachtung, die er für ſie, die mit Würde ſo viel Schweres ertrug, an den Tag legte, fand er ſich doch nicht veranlaßt, das Leben in Saus und Braus, wie ſein königlicher Hof es ſeit einer ziemlichen Reihe von Jahren gewohnt war, nur im mindeſten zu beſchränken. Die Kurfürſtin, um nicht dem Verrufe der Störrigkeit, der Säulenheiligkeit, in dem ſie ohnehin unter den leichtlebigen Hofleuten ſtand, ganz zu verfallen, ließ ſich zuweilen bereit finden, bei den prunkvollen Luſtbar⸗
keiten, welche ihr Gemahl mit ſo viel Erfindungsgeiſt in Scene zu ſetzen wußte, zu erſcheinen. Natürlich wußte
4 4 44„„
—* G/ 4/ R 4
— —


