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zu liegen, denn ſo wortkarg, ſo nachdenklich hatte Elſe ſie noch gar nicht geſehen.
„Glaubt Sie, Mamſell Gomel, daß es eine treue Mannsſeele auf Erden gibt?“ fragte Elſe ſie.
„Ich weiß das nicht“, lautete die ruhige Antwort der Künſtlerin.
„Nein, es gibt keine, keine, und es iſt ſchade, wenn unſereins ſolchen Aberglauben bei ſich nährt. Da geht einem ein Stück vom Herzen allemal mit verloren, wenn man es nachher erfährt. Die Mannsbilder ſind alle, alle Abgötterer. O mein lieber Himmel, was habe ich au meinem Jürg für eine ſchreckliche Erfahrung gemacht! Das iſt nicht auszuſagen! Der iſt Dir treu wie Gold, habe ich gedacht und bin kindsfroh in meinem Herzen geweſen. Nun habe ich's, nun bin ich es weiſe geworden, wie treu er mir iſt. Ach, ich Närrin, mir geſchieht ganz recht. Das bringt mich um. Der Jürg hat mich auf dem Gewiſſen, wenn ich an der von ihm an mir be⸗ gangenen Sünde zu Grunde gehe.“
Obwohl Elſe nicht zu den weichen Gemüthern ge⸗ hörte, denen ein Thränenerguß leicht zu Gebote ſteht, ſo erregte die heftige Empfindung des ſchweren Unrechts,
das ſie von Jürg erleiden zu müſſen glaubte, doch ihre
Thränendrüſen ſo ſehr, daß ſie zu ſchluchzen begann. Zephanja fühlte Mitleid mit ihr und tröſtete ſie nach
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