Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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einſchränkenden Geländers geſtattete ein auf feſtem Stän⸗ der ruhender Tubus den Ausblick in die Ferne des Elb⸗ hochlandes.

Seit zwei Tagen weilte ein hoher Gaſt in Herrn Dinglinger's Hauſe, Zaar Peter der Erſte von Rußland.

Es war ein Ereigniß ungewöhnlicher Art für die Dresdener, einen Fürſten ſo beſondern Rufs als Gaſt bei einem ihrer Mitbürger zu wiſſen. Obwohl dieſer hohe Herr ſchon ein paar Mal in Dresden anweſend ge⸗ weſen, ſo übte er doch, ohne ſich darum zu kümmern, eine bedeutende Anziehungskraft auf das Publikum aus. Die große Frauengaſſe, ohnehin eine ſehr viel begangene, ſehr frequente Gaſſe, da ſie auf den Neumarkt führt, wo ſich damals noch die alte Frauenkirche mit ihrem Kirchhofe und die Hauptwache mit ihren Zierrathen, dem Galgen, dem Pranger und dem hölzernen Eſel, und die Eingänge in die Rampiſche und Pirnaiſche Gaſſe und in die ungemein breite Moritzſtraße befanden, zeigte ſich jetzt mehr als je menſchenbelebt. Es war recht augenfällig, daß die meiſten der Paſſanten der Neugier wegen die Gaſſe durchgingen; faſt alle hielten ſich auf der dem Dinglinger'ſchen Hauſe gegenüberſtehenden Häuſerreihe und blickten an der Fronte des berühmten Goldſchmiedshauſes hinauf, denn im zweiten oder dritten Stocke ſollte der nordiſche Selbſtherrſcher wohnen, und es konnte ſich doch

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