Zeit, die ich zu ſchildern unternommen habe, nicht ganz unähnlich. Möge es(was weit wichtiger iſt) eine richtige Darſtellung der menſch⸗ lichen Leidenſchaften und des menſchlichen Her⸗ zens enthalten, deren innerſtes Weſen zu allen Zeiten daſſelbe war. Noch ein Wort, es möge mir geſtattet ſein, den Leſer daran zu erinnern, daß, wenn es mir gelungen ſein ſollte, eine Beſchreibung klaſſiſcher Sitten und eine Ge⸗ ſchichte aus der klaſſiſchen Zeit intereſſant und lebendig dargeſtellt zu haben, mir etwas gelun⸗ gen waͤre, was bisher noch Niemand gelang*).
Ein nothwendiger Schluß, der ſich hieraus ferner entwickelt, iſt eben ſo troͤſtlich, aber we⸗
*) Selbſt Barthelemy kann ich nicht ausnehmen. Sein Anacharſis iſt ein fleißiges, elegantes, gelehrtes Werk. Aber es iſt kein Leben darin! Es macht gar keinen Anſpruch darauf, ein Roman zu ſein, aber ſelbſt als eine fingirte Reiſe iſt es ermudend. Es iſt genug aͤußere Gelehrſamkeit, aber wenig innerer Geiſt vor⸗ handen. Der Wein des Alterthums hat den Barthelemy nicht entzuͤckt, aber er hat eine Menge von Materia⸗ lien zuſammen getragen.„Anacharſis,“ ſagt Schlegel ſehr wahr und witzig,„betrachtet Alles auf ſeinen Rei⸗ ſen nicht mit den Augen eines jungen Scythen, ſondern mit denen eines alten Pariſers!“— Ja wohl, und noch dazu eines Pariſers, der nie Beweiſe gibt, daß er uͤberhaupt gereiſet hat— außer auf ſeinem Lehn⸗ ſtuhle!—
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