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das Leben und Thun der Mutter erfüllte ſie mit Jammer und Angſt.
„Ich mag's meinen Mann gar nicht hören laſſen, wie ein wüſtes Treiben die alte Frau nun ſchon ſeit Jahren an ſich hat,“ klagte ſie betrübten Herzens dem Bruder.„Tag und Nacht ſpricht ſie von der alten böſen Muhme Streicherin, die als Hexe ihren Lohn im Feuer erhalten, und erzählt, wie reich, wie klug, wie mächtig und von aller Welt ge⸗ fürchtet die böſe Frau geweſen. Verzeih mir's Gott, aber Dir, Johannes, muß ich's ſagen; denn Du biſt klug und gut und weißt vielleicht Rath in dieſer Noth, aber— die Mutter will gern eine Here ſein. Neulich, kurz vorher, ehe ich getraut wurde, war ſie bei Chriſtoph geweſen und hatte großen Zank mit ſeiner Frau gehabt, da ſetzte ſie ſich nieder in der Hinterküche recht unter den Schornſtein und weinte, daß es einen Stein erbarmt hätte. So ging ich denn und hockte mich zu ihr und faßte ſie um den Hals und ſagte:„Mutterle, herzliebes Mutterle, warum weint Ihr? wenn Euch Gott Leid gegeben, ſo hat er's doch auch hinwieder nicht an Freude fehlen laſſen. Seht, der Chriſtoph iſt doch ein recht⸗ ſchaffener Bürger, und ich, Euer Gretel, werde einen ehrwürdigen Pfarrherrn heiraten, der Gottes Wort


