Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Das iſt mein Troſt, mein Johannes, daß auch jetzt dieſe Streitenden, daß Jeſuiten und Lutheraner, Kalviniſten und Kryptokalviniſten, Waldenſer und Albigenſer, alle den Herrn ſuchen und lieben und nur darin irren, daß jeder ſeinen eigenen Weg für den allein richtigen hält und den Bruder mit Gewalt, mit Feuer und Schwert zwingen will, ihm auf demſelben zu folgen, eben weil er es gut mit ihm meint. Es muß nicht ſchwer ſein, für die Wahrheit zu ſterben, auch das iſt mein Troſt; denn der Tod an ſich iſt ja kein Uebel, weil er eine Nothwendigkeit iſt. Vielleicht verſtehſt Du mich noch nicht, mein Sohn, einſt wird aber eine Zeit kommen, in der meine Worte in Deinem Gedächtniß erwachen, denn ich weiß und fühle, daß in Dir ein Geiſt lebt, der dem meinen verwandt iſt.

Johannes küßte liebevoll die Hände ſeines Freundes. Der Knabe war eine Natur, die auch durch äußerliche Zeichen denen, die er liebte, ſein Gefühl kundzumachen verſtand. Doch ſein junges Herz, das ſich wie die Blume dem Sonnenlichte leicht und freudig der Liebe öffnete, verſchloß ſich unwill⸗ kürlich, wie das Auge ſich mit dem Lide vor dem Schlage ſchließt, vor jeder Roheit und Härte, die bis dahin in nur zu großer Nähe neben ihm ge⸗ ſtanden hatten.

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