Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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„O, nun wird alles gut werden, nun hoffe ich das allerbeſte und danke Gott, daß ich dieſen Tag erlebt.“

Katharina ſah ſich in dem großen Zimmer um. Es war ihr wohlbekannt, und ſeit vielen Jahren war auch nicht das geringſte darin verändert.

Dort ſtand die große Kiſte, deren eingelegte Ar⸗ beit ſie in ihrer Kindheit ſo oft bewundert, dort das Bett, auf dem ihr Johannes in jener Verzweiflungs⸗ nacht geboren, ein armes, zum Leben noch nicht völlig gereiftes Geſchöpfchen. Dort ſtanden die Seſſel mit den prächtigen geſchnitzten Lehnen; wie ſonſt brannte ein luſtiges Feuer in dem tiefen gemauerten Kamin und durch das geöffnete Fenſter ſahen die grünen Berge und der blaue Himmel hinein, ganz wie ſonſt in den Tagen ihrer Kindheit und Jugend.

Was hatte ſich in ihr und um ſie alles ver⸗ ändert, während hier alles ſo ganz, ſo ganz ſich gleich geblieben!

„Setze Dich, Kätherichen,“ ſagte der Bildſchnitzer liebevoll,„ſetze Dich und erzähle uns von Deinen Kindern, zumal von dem lieben Johannes, der mir alle Tage und Stunde vor Augen ſteht: Es iſt lieb und brav von Dir, daß Du gekommen, ehe ich in die Ewigkeit gehe, um nach mir altem kranken Mann zu ſehen.“

1857. XX. Johann Kepler I. 13