Sie ſchickte daher ihr zierliches Dienſtmädchen in den Keller und kaum war das geſchehn und Herr Wohlgemuth hatte ſich durch genaues Blicken hinter alle Thüren überzeugt, daß er nicht behorcht wurde, als er raſch ein anſehnliches Briefpacket hervorzog und es Louiſen übergab.
„Bei Deinem Leben, bei allem was Dir theuer und heilig iſt,“ ſagte er dabei eifrig und ängſtlich, „halte den Empfang dieſer Briefe geheim, es hängt vielleicht das Heil Europa's daran, daß Pläne nicht verrathen werden, die jetzt zu reifen beginnen; jeden⸗ falls aber hängt daran das Leben und die Erxiſtenz vieler vieler Menſchen. Ich wollte durchaus Dir, die faſt noch ein Kind iſt, die Laſt eines Wiſſens nicht aufbürden, die faſt für Mannesſchultern zu ſchwer iſt; meine Frau aber, auf deren Umſicht und Klugheit man wohl bauen kann, hörte nicht auf in mich zu dringen, und ſo lege ich meine Ehre und Freiheit, vielleicht mein Leben in Deine Hand!“
Louiſe hätte gewünſcht, das ſeltſame und be⸗ ängſtigende Vertrauen ihres Onkels ablehnen zu dürfen, ſie hörte aber auf der Treppe den Schritt ihrer Die⸗ nerin, ſah auf der Adreſſe die Handſchrift ihrer theuren Tante Sophie und ließ daher eilig das Briefpacket in ihren Buſen gleiten, öffnete dem Mäd⸗


