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der Maſſe meines Vermögens thun mag, ſo werde ich ihm eine an⸗ ſtändige Unabhängigkeit ſichern. Die Vollendung ſeiner Erziehung, die angemeſſene Jahresſumme für ihn, die Wahl eines Berufs ſind Sachen, worin ich Euch auf eigene Fauſt zu handeln bitte, wie wenn Ihr ſein Vormund wäret. Ich bin im Begriff England zu verlaſſen — ich kann Jahre lang ausbleiben.“ Indem Oberſt Morley die Ver⸗ antwortlichkeit übernahm, die ihm auf ſolche Art aufgebürdet wurde, bot er nicht blos ſeinen ſcharfſinnigen Verſtand auf, um dieſem Amt nachzukommen, ſondern ging auch mit gewiſſenhafter Aengſtlichkeit zu Werke.
Er ſah, daß Lionels Herz auf den militäriſchen Beruf gerichtet war, und daß ſein Fleiß, ohne das aufmunternde und concentrirende Element des Enthuſiasmus, ſicherlich nur lau und flüchtig ſeyn, folg⸗ lich auch den Zweck verfehlen würde, wenn man ihn auf Studien lenkte, die keine unmittelbare Beziehung zu den Gegenſtänden ſeines Ehrgeizes hätten. Der Oberſt entſagte alſo der Idee ihn für drei Jahre auf eine Univerſität zu ſchicken. Alban Morley faßte ſeine Theorien über akademiſche Bildung in folgende kurze Aphorismen zuſammen:„Nichts iſt ſo gut wie eine Univerſitätserziehung, und Nichts iſt ſchlimmer als eine Univerſität ohne ihre Erziehung. Beſſer man wirft einen Jüngling ſogleich in die weitere Sphäre einer Haupt⸗ ſtadt, vorausgeſetzt daß man ſeinem ſocialen Leben die gewöhnlichen Hemmſchuhe guter Geſellſchaft ſichert, die Beſchränkungen, welche durch die Gegenwart anſtändiger Frauen ſo wie geſetzter, würdevoller und angeſehener Männer auferlegt werden; dieß iſt weit beſſer, als wenn man ihn auf die ausſchließliche Geſellſchaft von Jünglingen ſeines eigenen Alters beſchränkt, des Alters, wo wilder Uebermuth und gedankenloſe Nachahmung an der Tagesordnung ſind— er müßte ſich denn an das Rettungsmittel anklammern, das in eifrigem Stu⸗ dium beſteht, weniger in Folge der Buchweisheit, die es gewährt, als in Folge der ernſten Beſchäftigungen, wodurch es den Geiſt von den gröberen Verſuchungen abzieht.“


