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Augenblicke an, wo ſie Falklands Brief erhalten, war Emilie kaum im Stande, einen einzigen Gedanken zu faſſen; ſie ſaß ſtill und regungslos da, ſtarrte in die leere Luft hinaus und ſah in ihrer Seele, wie in den Gegenſtänden um ſie her nur eine fürchterliche Leere. Sinn, Gedanke, Gefühl, ſogar Gewiſſensangſt war erkältet und erſtarrt; die Flut der inneren Bewegung dauerte noch an, aber ſie war in Eis verwandelt!
Als Falklands Diener außen gewartet, bis das Bil⸗ let an Emilie übergeben ward, hatte ihn Mrs. St. John bemerkt; ihr Schrecken und ihre Üüberraſchung dienten nur dazu, ihre Geiſtesgegenwart zu ſteigern. Sie fing Emiliens Antwort unter dem Vorwand auf, ſie ſelbſt Falklands Diener übergeben zu wollen. Sie las dieſelbe, und ihr Entſchluß war gefaßt. Nach⸗ dem ſie dieſelbe ſorgfältig wieder geſiegelt und dem Die⸗ ner zugeſtellt hatte, ging ſie plötzlich zu Herrn Man⸗ deville und entdeckte ihm Lady Emiliens Neigung für Falkland. Zu dieſer verrätheriſchen Handlung hatten ſie allein ihre Leidenſchaften getrieben, und als Mande⸗ ville, aus ſeiner gewöhnlichen Fühlloſigkeit zum heftigſten Zorne ſich aufraffend, ihr immer wieder für ihre edel⸗ müthige Freundſchaft dankte, welche ſie nach ſeiner Meinung allein zu dieſer Mittheilung veranlaßt hatte, ahnte er nichts von der heftigen, unbezähmbaren Eifer⸗ ſucht, die ſelbſt die Schande beneidete, welche ihr Ge⸗ ſtändniß abwenden ſollte. Mit Recht ſagt der franzö⸗ ſiſche Schwärmer,„daß das dem Anſcheine nach heiterſte Herz der ruhigen, glänzenden Quelle gleicht, welche die Ungeheuer des Nil in dem Schooße ihrer Waſſer hege.“


