Zueignungsbrief.
Ich widme Ihnen, mein nachſichtiger Kritiker und langerprobter Freund, das Werk, welches Ihrer Angabe ſeinen Urſprung verdankt. Vor langer Zeit ſchon redeten Sie mir zu, eine Dichtung zu unternehmen, die ihre Charaktere aus unſern Überlieferungen entlehne und dazu diene, einige von jenen Wahrheiten zu erläutern, welche die Geſchichte nur zu häufig dem Romanſchreiber, dem Dramatiker und dem Dichter zu überlaſſen genöthigt iſt. Die Dichtung, wenn ſie nach etwas Höherem, als nur nach dem Romantiſchen ſtrebt, verdreht die Thatſachen nicht, ſondern erläutert ſie nur. Wer ſie würdig anwendet, muß, wie ein Biograph, die Zeit und die Charaktere berückſichtigen, die er auswählt, mit genauer und müh⸗ ſamer Sorgfalt, von der man kaum erwarten kann, daß der allgemeine Geſchichtſchreiber, der ſich über Jahr⸗ hunderte verbreitet, fie auf Gegenſtände und Perſonen einer einzelnen Epoche anwenden ſollte; ſeine Beſchrei⸗ bungen ſollten die kalten Umriſſe des raſchen Chroniken⸗ ſchreibers mit Farben und Zeichnungen der Einzelheiten ausfüllen, und trotz Allem, was Pſeudokritiker ange⸗ führt haben, ſollte ehen die Phantaſte, die ſein Thema angab und belebte, dazu dienen, des Leſers praktiſche


