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Lady Mary, indem ſie vieſelben mit der unſchuldigſten
Naivetät hinhielt,„Ah, Madame, si vous voyier mes pieds!““ Fi donc!““ rief ich und wandte mich ab. Aber wer iſt dieſer genz kleine, ungeſtaltete Menſch hinter ihr— der mit dem lebhaften, ſchwarzen Auge?“
„Kennen Sie ihn nicht?“ fragte Bolingbroke;„ſagen Sie dies ja Niemanden!—s iſt eine aufgehende Sonne, vie ich ſchon verehren gelernt habe— der junge Ver⸗ faſſer des„Verſuch über die Kritik“ und des„Locken⸗ raubs.“ Bei Gott, der petit poste ſcheint uns bei den Frauen, wie bei den Männern zu verdunkeln. Sehen Sie, wie aufmerkſam ihin Lady Mary zuhört— ob⸗ wohl man den großen, ſchwarzgekleideten Herrn, der ſich umſonſt bemüht, ihre Aufmerkſamkeit zu feſſeln, für den ſchönſten Mann in London hält? Ach, alle Weiber lächeln dem Genie zu, nur Fortuna nicht— der junge Dichter denkt in dem erſten Rauſche der Schmeicheleien und des Ruhmes wohl wenig daran, welch ein Loos des Zankes und Haders ſeiner wartet. Selbſt die Luft, welche ein Schriftſteller einathmet, iſt von Haß vurchglüht, und der junge Proſelyte betritt die Laufbahn, welche ihm ſo glänzend ſcheint, wie Dame Pliants Bruder in
dem Alchemiſten die Stadt betrat— nicht um üppig zu
ſpeiſen und nur dem Vergnügen zu leben, ſondern, um zunken und von ſeinem Wite leben zu lernen!“
Pos Stüc var beinahe zu Ende. Mit großem Eruſe
beſchied Lord Bolingbroke einen der erſten Schauſpieler in ſeine Loge und beſtimmte eine Vorſtellung für die nächſte Woche; hierauf verlitß er Arm in Arm mit mir das Theater. Wir eilten nach ſeiner Wohnung, legten
unſere Verkleidung an, bewerkſtelligten vhne irgend ein
bemerkenswerthes Begeguiß unſere Flucht und landeten wohlhehalten in Calais. —2——


