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als ein phantaſtiſch gekleideter Page eintrat und Lord Borodaile anmeldete, welcher ihm ſogleich folgte. Lebhaft und beinahe erröthend ſteckte La Meronville den Brief in ihren Buſen und eilte ihren Verehrer zu begrüßen und zu umarmen. Lord Borodaile warf ſich mit nachläſſiger und unzufriedener Miene auf eines von den Sopha's. Die erfahrene Franzöſin be⸗ bemerkte, daß eine Wolke auf ſeiner Stirn war.
„Mein lieber Freund,“ ſagte fie in ihrer Sprache, „Du ſcheinſt übler Laune zu ſein— iſt Dir etwas Unangenehmes begegnet?“
„Nein, Cecilie, nein. Wer ſpeiste geſtern bei Dir zu Abend?“
„O, Dein Freund, der Herzog von Haverfield.“
„Mein Freund!“ fiel Borodaile hochmüthig ein —„er iſt nicht mein Freund— ein gemeiner ge⸗ ſchwätziger Kerl!— Das iſt ein ſchöner Freund!“
„Nun, ſo bitte ich um Verzeihung. Ferner war Mademviſelle Caumartin da und der Prinz Pietro del Orbino und Herr Trevanion und Herr Lin— Lin— Linten oder Linden.“
„Und darf ich fragen, wie Du mit Herrn Lin— Lin— Linten oder Linden bekannt wurdeſt?“
„Nun gewiß— durch den Herzog von Haverfield.“
„Em— Ceeilie, meine Liebe, jener junge Mann iſt nicht paſſend, ein Bekannter meiner Geliebten zu ſein— erlaube mir, ihn von Deiner Liſte zu ſtreichen.“
„Gewiß, gewiß!“ ſagte La Meronville haſtig, und indem ſie ſich nieherbeugte, als wollte ſie einen


