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war zweiten Ranges, aber in dieſem Range voll⸗ kommen waren, konnte Richard Crauford kein Schurke ſein vermöge der Unregelmäßigkeit ſeiner Natur; er war ein Schurke nach höherem Maßſtabe; er war ein ſyſtematiſcher Schurke. Da er außer ſeinem Berufe wenig Kenntniſſe beſaß, ſo verbreitete ſich ſein Nach⸗ denken ſcheinbar über handgreifliche Folgerungen aus dem großen und geheimnißvollen Buche des Lebens. Er ſah das Laſter in glücklichen äußeren Verhältniſſen, und aus dieſem Anblick zog er ſeine Schlüſſe.„Laſter,“ ſagte er,„iſt kein Hinderniß des glücklichen Erfolges, und wenn das iſt, ſo iſt es wenigſtens ein angeneh⸗ merer Weg dazu, als die ſchmalen und dornigen Wege der Tugend.“ Aber es gibt gewiſſe Laſter, welche die Maske ver Tugend erfordern, und Crauford hielt es für leichter, die Maske zu tragen, als ſeine Seele an die Wirklichkeit zu gewöhnen. So vereinte er den Heuchler mit dem Schurken. Er fand, daß der Erſolg ſeinen Erwartungen entſprach, denn er beſaß zugleich Liſt und Genie; auch war er nicht ohne jene unter⸗ geordnete Liebenswürdigkeit, welche der unwiſſenden Menge ſchätzbarer erſcheint, als eine Münze von echte⸗ rem Gehalt. Geblendet vom Vorurtheil, halten wir den Schein nicht nur für Moralität, ſondern ziehen ihn verſelben ſogar vor, und gleich den Einwohnern von Cos, als ihnen zwei Statuen von derſelben Göttin zur Wahl geſtellt wurden, wählen wir nicht die ſchönſte, ſondern die, welche am ſchönſten geſchmückt iſt. Gewohnt, die Menſchen leicht zu täuſchen, lernte Crauford ſie hald verachten, und indem er früher die


