„Armes Kind! aber was iſt das, hat man Dich mißhandelt, weil Du mich retteteſt?“
„Mein Vater ſchlug mich zu Boden und prügelte mich, als er heimkam. Aber das iſt noch nicht alles,“ fügte ſie in leiſem Tone hinzu.
„Was ſonſt?“
Das Mädchen wurde abwechſelnd roth und bleich. Sie biß ihre Zähne heftig zuſammen, hielt an, ging dann wieder ſchneller wie früher und ſagte:„Es iſt einerlei, ich will nie wieder zurück, ich bin jetzt allein, was ſoll ich anfangen?“ ſie rang ihre Hände.
Das tiefe Mitleid des Fremden wurde rege.„Mein gutes Mädchen,“ ſprach er mit ernſtem Tone,„Du haſt mir das Leben gerettet und ich werde nicht un⸗ dankbar ſein. Hier(er gab ihr einige Goldſtücke) verſchaffe Dir eine Wohnung, Nahrung und Ruhe. Du ſiehſt aus, als ob Du veren bedürſteſt; beſuche mich dieſen Abend wieder, wenn es dunkel und wir unbeachtet ſprechen können.“
Das Mädchen nahm das Geld, und während er ſprach ſah ſie ihm ins Geſicht; ihr Blick war ſo ohne allen Argwohn und ihr ganzes Geſicht bot einen ſo ſchönen Ausdruck jungfräulicher Keuſchheit, daß jede böſe Leidenſchaft, wenn des Fremden letzte Worte durch eine ſolche veranlaßt worden wären, beſchämt und verſcheucht hätten fliehen müſſen, als ſein Blick dem ihrigen begegnete.„Armes Mädchen,“ ſagte er ver⸗ ſtört nach einer kurzen Pauſe,„Du biſt ſehr jung und ſehr ſchön. In dieſer Stadt wirſt Du manchen
Verſuchungen ausgeſetzt ſein; wähle Dir mit Sorg⸗


