Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1842)
Entstehung
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Und ſchwarze Nacht umhüllt Deine Seele, Maximilian

Robespierre! So endetete die Herrſchaft des Schreckens. Der Tag iſt angebrochen im Kerker. Von Zelle zu Zelle eilen ſie mit der Botſchaft; Haufen um Haufen die freudigen Gefangenen vermiſcht mit den Kerkermei⸗ ſtern, die, aus Furcht, ſich gern auch freudig anſtellen möchten ſie ergießen ſich durch die Gänge und Höhlen des unholden Hauſes, das ſie bald verlaſſen werden. Sie brechen in eine Zelle, die ſeit dem geſtrigen Morgen ver⸗ geſſen worden. Sie finden darin eine junge Frau, auf ihrem elenden Bette ſitzend; die Arme über der Bruſt ge⸗ kreuzt, das Antlitz emporgerichtet; die Augen offen, und ein Lächeln nicht der Heiterkeit blos, der Seligkeit um ihren Mund. In dem wilden Sturm ihrer Freude ſogar wichen ſie mit ſcheuem, ehrfurchtsvollem Staunen zurück. Nie hatten ſie das Leben ſo ſchön geſehen; und wie ſie

ſich mit geräuſchloſen Schritten langſam näherten, ſahen

ſie, daß die Lippen nicht athmeten, daß es die Ruhe des Marmors, daß es die Schönheit und Verzückung des To des war. Schweigend ſammelten ſie ſich um ſie her; und ſiehe da, zu ihren Füßen war ein kleines Kind, das von ihren Schritten erwachte, ſie feſt anſah, und mit ſeinen roſigen Fingern mit dem Kleide ſeiner todten Mutter ſpielte. Eine Waiſe hier im Kerkergewölbe!

Armes Kind! ſagte ein Weib(ſelbſt Mutter) und ſie ſagen, dein Vater ſey geſtern gefallen! und jetzt die Mutter todt! Allein in der Welt was kann dein Schickſal ſeyn?

Das Kind lächelte furchtlos die Menge an, als die Frau ſo ſprach. Und der alte Prieſter, der darunter ſtand,

ſagte mild:Weib! ſieh ⸗die Waiſe lächelt! die Vater⸗

loſen ſind die Schützlinge Gottes! DS