Achtes Kapitel.
Die Flucht.
Es ſchlug Mitternacht in der Kapelle des Kloſters.
Das Mondlicht ſchien mit ausnehmender Helle durch die großen Fenſter und übergoß mit einem geiſterhaften Schein von Leben die Marmorbilder der Heiligen und Märtyrer, welche ihre langen Schatten über den geheiligten Boden warfen. Nicht leicht konnte man ſich etwas Traurigeres, Feierlicheres und Grab⸗ ähnlicheres denken, als dieſen heiligen Raum— ſeine gedehnten, von der Zeit geheiligten Mauern— die undurchdringliche Maſſe von Finſterniß, welche in den Vertiefungen gelagert war, in welche das Mondlicht nicht dringen konnte, die alten, maſſiven Gräber, über welchen das gemeißelte Abbild irgend einer abgeſchie⸗ denen Patronin oder Aebtiſſin lehnte, welche ein leben⸗ diges Grab mit den Behauſungen der Seligen ver⸗ tauſcht hatte. Aber hier— o wunderbares Menſchen⸗ herz— ſelbſt hier, an dieſem Platz, der in der That eine Predigt und Warnung war gegen menſchliche


