———
66
die Sache nicht weiter verfolge; Ihr müßt vertrauen auf einen gewaltigen Plan, der alle ſeine Gedanken in Anſpruch nimmt; auf eine Anwandlung von guter Laune nach ſeiner Sieſta; oder vielleicht auf einen An⸗ fall der Gicht oder einen Schlagfluß. Das ſind am Ende die Bedingungen der Wechſelfälle menſchlichen Glücks, das ſind die Zapfen, um welche das ernſte Rad des menſchlichen Lebens ſich dreht!“
Fonſeca antwortete einige Augenblicke nicht; er ging mit haſtigen und ungleichen Schritten im Gemach auf und ab und blieb zuletzt plötzlich ſtehen⸗
„Calderon, hier bleibt keine Wahl; ich muß mich Eurem Edelmuth, Eurer Treue, Eurer Freundſchaft übergeben; ich will an Beatriz ſchreiben; ich will ihr ſagen, ſie ſolle um meinetwillen Euch vertrauen.“
Wie er ſo ſprach wandte ſich Don Martin gegen den Tiſch und ſchrieb ein haſtiges und leidenſchaftliches Billet, worin er die Novize dringend bat, ſich den Anweiſungen Don Rodrigo Calderons, ſeines beſten, ſeines einzigen Freunds, anzuvertrauen; und wie er dieſen Brief in die Hände des Höflings gab, wandte er ſich ab, um ſeine Bewegung zu verhehlen. Calde⸗ ron ſelbſt war tief ergriffen; ſeine Wange flammte
und ſeine Hand ſchien zu zittern, als ſie den Brief
nahm.
„Bedenkt,“ ſagte Fonſeca,„daß ich Euch das
Leben meines Lebens anvertraue. Wie Ihr gegen mich
treu ſeyd, ſo möge der Himmel Euch barmherzig
ſeyn!“


