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Liebe hin. Warum iſt er ſo lange vergeſſen worden? er iſt nicht von dem Stamm, den ich verabſcheue; kein mauriſches Blut fließt in ſeinen Adern; auch ge⸗ hört er nicht zu den Großen und Mächtigen, die ich fürchte; noch auch zu den Kriechenden und Knechtiſch⸗ geſinnten, die ich verachte; es iſt ein Mann, den ich ohne Erröthen unterſtützen kann.“
Während Calderon dieß Selbſtgeſpräch führte, ward
die Tapetenthüre bei Seite geſchoben, und ein Kava⸗
lier, nuf deſſen Wangen der erſte Flaum der Mann⸗ heit ſproßte, trat in das Gemach. „Ss, Rodrigo, allein! willkommen bei Deiner
Rückkehr nach Madrid. Rein, ſetze Dich, Mann—
ſetze Dich.“
Calderon verbeugte ſich mit der tiefſten Ehrerbie⸗ tung; und einen großen Lehnſtuhl dem Fremden hin⸗ ſtellend ſetzte er ſich ſelbſt auf einen Stuhl in einer kleinen Entfernung.
Der Neuangekommene war von dunkler und trüber Geſichtsfarbe, im Ganzen aber waren ſeine Züge an⸗ ſprechend und ſein prächtiger Anzug funkelte von einem Uebermaß von Juwelen. Obſchon er noch faſt ein Knabe war, lag doch ein nachläſſiger Stolz, eine vor⸗ nehme Leichtigkeit in ſeinen Geberden— in dem Tra⸗ gen des Kopfes, in der Bewegung ſeiner Hand, was, in Verbindung mit der faſt knechtiſchen Unterthänigkeit des anmaßenden Günſtlings auch dem oberflächlichſten Beobachter die Gewißheit gegeben hätte, daß er dem
allerhöchſten Rang angehörte. Ein zweiter Blick hätte


