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etwas ganz Anderes, als ſie vor hundert Jahren war; aber die Geſetze bleiben dieſelbenu. Anbegque⸗ mung in Privatfällen iſt Neuerung im Beffent⸗ lichen; und ſo macht man neue Geſetze, ohne die alten zu widerrufen; und jene ſind nun bisweilen wirkſam, aber weit häufiger nicht. Nun iſt, meine geliebten Schüler, das Geſetz ein Gewehr, das, wenn es eine Taube fehlt, immer eine Krähe töd⸗ tet; wenn es nicht den Schuldigen ereilt, doch ſonſt Jemand trifft. Wie jedes Vergehen ein Geſetz er⸗ zengt, ſo umgekehrt auch jedes Geſetz ein Verge⸗ hen, und darum ſchreiten wir immer vor, Sünden und Uebel, Fehler und Mißgriffe vervielfältigend, bis die Geſellſchaſt zum organiſirten Inſtitut zum Beutelſchneiden wird.
Die Wiedergeburt eines Schelmen.
Einer der in der Welt als Narr anfängt, hört oft damit auf, daß er ein Schelm wird; aber Wer als ein Schelm anfängt, und ein reicher Mann (alſo nicht gehängt) wird, kann, meine geliebten Schüler! als ein frommes Weſen abſchließen Und der Grund iſt dieſer: ein Schelm von Jung auf erwirbt ſich bald Weltkenntniß. Ein durchgebade⸗ ter Fehler macht uns weiſer als fünfzig Lehrmei⸗ ſter. Aber die Weisheit macht uns die Ruhe lie⸗ ben, und in der Ruhe ſündigen wir nicht. Wer weiſe iſt und nicht ſündigt, kann faſt nicht anders als Gutes thun; und nun laßt ihn nur Eine neue Wahrheit ausſprechen, ſo vermag ſeine Einbildungs⸗ kraft gar nicht mehr das grenzenloſe Heil zu faſſen, welches daraus für die Menſchen entſpringen kann!
De 5 Begreift Ihr wohl, welch eine wunderbare Sache es um den Styl iſt? Ich glaube nicht; denn


