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bung an— und zwar aus freiem Willen und freier Wahl?“
Und Beatrice antwortete:
„Habt noch ein wenig Nachſicht, und ich will es ver⸗ ſuchen, es Euch zu vergelten nach all— nach all meinen—“
Sie hielt inne und ſchluchzte laut
„Ich hätte ihr nie ein ſo tiefes Gefühl und eine ſo glühende Leidenſchaft zugetraut,“ flüſterte der Graf.
Frank hörte und ſein Geſicht verklärte ſich. Allmälig gewann Madame di Negra ihre Faſſung wieder und ſchenkte ihrem jungen Verehrer mit einem, wie es ihm dünkte, zärt⸗ lichen Intereſſe, in Wahrheit aber nur mit trauriger und gedemüthigter Ergebung Gehör, als dieſer frohherzig von ihrer Zukunft ſprach. Ihm entſchwanden die Stunden kurz und ſtrahlend wie ein Sonnenblick. Und ſeine Träume waren ſo golden, nachdem er ſich zur Ruhe begeben hatte! Aber als er am andern Morgen erwachte, ſagte er zu ſich ſelber: „Was— was werden ſie in der Halle dazu ſagen?“
Zu derſelben Stunde lag Beatrice da, das Antlitz in dem Kiſſen verbergend, um nur des leidigen Tages nicht an⸗ ſichtig zu werden, und hätte um den Tod beten mögen. Um dieſelbe Stunde machte ſich Giulio Franzini, Graf di Pes⸗ chiera, nachdem er einige lange, hagere Italiener entlaſſen hatte, mit welchen er geraume Zeit eingeſchloſſen geweſen war, auf den Weg, um das Haus, welches Violante barg, in Augenſchein zu nehmen. Um dieſelbe Stunde ſaß der Baron Levy vor ſeinem Pult und ſchrieb eine vernichtende Zahlenreihe nieder, die zur Aufſchrift hatten:„Abrechnung gegen den ſehr ehrenwerthen Audley Egerton, Parlaments⸗ mitglied, Dr. und Cr.“ Um ihn her lagen Titelurkunden, und Franks Poſtobit guckte friſch unter den älteren Pergamenten hervor. Um dieſelbe Zeit hatte Audley einen Brief von dem Vorſitzenden ſeines Comité's in der Stadt, welche er reprä⸗ ſentirte, vor ſich liegen und daraus erſehen, daß er auf die Ausſicht, wieder gewählt zu werden, verzichten mußte Und


