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bemerkte ſie nirgends die Geſtalt einer Nebenbuhlerin. Sie ſah ihn einſam in der Welt, wie ſie es ſelbſt war. In Anbetracht ſeiner niedrigen Herkunft, ſeiner Jugend und der Beſcheidenheit, welche ihm mit Ausnahme ſeiner Zuverſicht in ſeinen geiſtigen Beruf, der ſtets das wahre Genie beglei⸗ tet, in allen Dingen eigen war, mußte ſie wohl die kühnere Rolle übernehmen, da ſie ſich nicht bergen konnte, ſelbſt wenn er ſie wirklich liebe, werde er es nicht wagen, ihr ein Geſtändniß zu machen.
Und ſo geſchah es denn eines Tages, als ſie, wie ſie im⸗ mer gewöhnt war, dem Antrieb ihres feurigen italieniſchen Herzens nachgab— wie und in welchen Worten, deſſen konnte ſie ſich ſpäter nicht erinnern— aber ſie ſprach ſich aus— geſtand ihm ihre Liebe— und flehte unter Thränen und Er⸗ röthen um Erwiederung. Alles, was bei dieſer Gelegen⸗ heit vorging, war ihr wie ein Traum, aus dem ſie mit dem bitteren Gefühl des peinlichſten Weh's und der Demü⸗ thigung erwachte— als das„verſchmähte Weib“ erwachte. Gleichviel, wie dankbar und wie zart auch Leonard's Antwort klang— ſie blieb eine Ablehnung. Das erſtemal erfuhr ſie jetzt, daß ſie eine Nebenbuhlerin hatte, und daß alle Liebe, die ihm zu Gebot ſtand, ſchon aus ſeiner Knabenzeit her an eine Andere verſchenkt war. Zum erſtenmal im Leben lernte dieſes glühende Weſen die Eiferſucht kennen mit ihrem mar⸗ ternden Stachel, mit ihrem Durſt nach Rache und ihrem ge⸗ witterſchwangeren liebenden Haß. Doch dem Aeußeren nach ſtand ſie kalt und ſtumm da wie Marmor. Worte, die zu beſänftigen ſuchten, trafen ein achtloſes Ohr und erſtick⸗


