Dichte Schatten deuteten auf den Abdachungen der Sierra tiefe Spalten an. Am Fuße des Gebirges er⸗ hob ſich ein iſolirter Felſen, wie eine vorgeſchobene Ba⸗ ſtion: er war von der Maſſe der nahe liegenden Berge getrennt. Hinter der Oberfläche ſeiner Spitze ſtürzte ſich ein Waſſerfall mit impoſantem Brauſen in einen endloſen Abgrund. Dieſſeits des iſolirten Felſens, der
ſich in Form eines abgeſtumpften Kegels erhob, zeigte
eine bewegliche Linie von kleinen Weiden⸗ und Baum⸗ woll⸗Bäumen die Nähe eines laufenden Waſſers oder die Einfaſſung eines Alluvialbodens an.
Dann erſtreckte ſich die ungehe ure Ebene des Delta, welches durch die Gabeltheilung des Rio Gila gebildet wurde— des Gilafluſſes, der ſich, öſtlich und weſtlich, durch die Kette der Nebelberge hindurch einen Durch⸗ gang erzwang— bis zur Spitze dieſes Triangels in ihrer ganzen düſteren Majeſtät.
Das von dem Fluſſe umgebene Delta war von der Baſis bis zur Spitze kaum über eine Stunde lang; allein zwiſchen ſeinen beiden Seiten, die durch den dop⸗ pelten Arm des Gilafluſſes begrenzt wurden, hatte ſeine Bafis eine faſt dreimal ſo große Ausdehnung.
Dieß waren in der Finſterniß für den Reiſenden, der von dem Orte herkam, wo ſich der Fluß gabelför⸗ mig theilte, die Hauptzüge der Landſchaft.
Die Dunkelheit wich dem Tage; das bläuliche Licht des Morgens folgte an den Bergzacken auf die Finſterniß. Wie aus der erſten verworrenen Anlage eines Gemäldes tauchten die Spitzen der Berge nach einander aus der düſteren Tinte der Morgendämme⸗ rung.
Allmählig drang eine unbeſtimmte Helle in die Schluch⸗ ten der amphitheatraliſch über einander aufgethürmten Hü⸗ gel ein. Nach und nach wurde es hell. Auf der Ober⸗ fläche des iſolirten Felſens dehnten zwei Fichten, wie zwei ſichtbar gewordene Phantome, ihre gewaltigen Wurzeln
——— 8„.


