„Ah!“ ſagte Roſenholz, der den Jüngling über⸗ raſchte, wie er ſeinen Blick auf dieſe verſchiedenartigen Einſchnitte heftete,„Sie zählen ohne Zweifel meine Kopfhäute?“
„Ihre Kopfhäute!“ wiederholte Tiburcio erſtaunt, da er die Sitten der ſonderbaren Menſchenklaſſe, zu der der Jäger gehörte, nicht kannte.
„Gewiß!“ antwortete der Canadier.„Die India⸗ ner, die Heiden ſind, zählen ihre Opfer nach den Kopf⸗ häuten, die in ihren Händen find, wir Waldläufer aber zählen unſere Trophäen, wie es Chriſten ziemt. Dieſe Einſchnitte da zeigen die Zahl der Feinde an, die ich auf dem Kriegspfade, wie die Indianer ſich ausdrücken, in loyaler Weiſe getödtet habe.“
„Aber ich ſehe ja wenigſtens zwanzig ſolche Ein⸗ ſchnitte,“ rief Tiburciv.
Sie könnten doppelt ſo viel ſagen, und dennoch würden Sie ſich noch um einige ſtoßen: antwortete der Jäger lächelnd.„Sehen Sie, dieſe einfachen Kreuze bedeuten die Apachen, und Sie können deren ſo gegen zehn zählen. Dieſe doppelten Kreuze,— ſie find ſie⸗ ben an der Zahl,— bedeuten, daß eben ſo viele Siour⸗Indianer in's Gras gebiſſen haben. Dieſe drei⸗ fachen Kreuze find Pawnies, die ich ins Geiſterland geſchickt; wie Sie ſehen, ſo ſind es deren acht. Dieſe Sterne da, vier an der Zahl, ſind Raben, die jetzt nicht mehr auf dieſer Erde jagen. Ah!“ fuhr der Ca⸗ nadier fort, indem er neun parallele Einſchnitte zählte, „hier ſind eben ſo viele Plattköpfe, die es mir zu verdanken haben, wenn ſie jetzt Niemand mehr beſteh⸗ len; endlich kommen dieſe runden Punkte, die ich gar nicht zähle: es ſind eben ſo viele Schwarzfüße, die en Jagdgründen der Prairien auf ewig Lebewohl ge⸗ ſagt haben. Ich frage Sie nun, was ich mit allen dieſen Kopfhäuten hätte anfangen ſollen. Ich überlaſſe dieſe Trophäen der indianiſchen Eitelkeit,“ ſagte der Waldläufer naiv zum Schluſſe.


