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Amerikanische Reisenovellen / von Gabriel Ferry. Nach dem Französischen von A. Diezmann
Entstehung
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ſich kuͤmmert, die Unordnung fuͤr Freiheit haͤlt und nicht ahnt, daß die vielfaͤltigen Angriffe der Anarchie eines Ta⸗ ges das wurmſtichige Gebaͤude der ſeltſamen Republik um⸗ ſtuͤrzen koͤnnte, die bereits nach einem fuͤnfundzwanzigjaͤh⸗ rigen Beſtehen den Einſturz drohet.

Jeden Abend aber bei den erſten Toͤnen des Angelus hoͤrt wie durch Zauberei jedes Geraͤuſch auf der Plaza Mayor auf. Die Menge bleibt ſtehen und ſchweigt und erſt wenn die Glockenklaͤnge verhallt ſind, entſteht die Be⸗ wegung von neuem. Das Gedraͤnge verlaͤuft ſich nach allen Seiten hin, die Wagen rollen, die Reiter galoppiren und die Fußgaͤnger treten bei Seite, aber nicht immer ſchnell genug, um ſich dem Degen oder dem Laſſo kuͤhner Raͤuber zu entziehen, welche ihre auserleſenen Opfer bis⸗ weilen am hellen Tage und vor den Augen Aller ermorden oder auspluͤndern. In der Nacht iſt der Platz oͤde; nur wenige Perſonen gehen im Mondenſcheine auf dem Trottoir hin, das ſich vor der Kirche befindet; andere ſitzen oder ſchaukeln ſich nachlaͤſſig auf den Ketten, welche die Prell⸗ ſteine mit einander verbinden. Der Tag iſt zu Ende, die naͤchtlichen Scenen beginnen und die leperos werden auf einige Stunden die Herrn der Stadt.

Der lepero iſt eine der ſeltſamſten Erſcheinungen in der mexicaniſchen Geſellſchaft. Nur wer Mexico nicht blos in der heitern Luſt vor der oracion, ſondern auch in der ſchauerlichen Stille der Nacht geſehen hat, kann ſagen, was Seltſames und Furchtbares in dem Charakter dieſes merica⸗ niſchen Lazzarone liegt. Der lepero, der gleichzeitig muthig und feig, ruhig und ungeſtuͤm, fanatiſch und