Teil eines Werkes 
3. Th. (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

Sie zu erheben. Aus der Armuth und Dunkelheit hatte ich Sie zur Größe und zum Reichthum gefuͤhrtz und Sie haben mich in Schande, in Elend, in Ar⸗ muth geſtuͤrzt! Habe ich alſo wohl Etwas zu verge⸗ ben? Ich demuͤthigte mich in den Staub vor Ihnen und Sie waren taub fuͤr meine Bitten! Ich ſagte Ihnen, daß mein Leben in Ihren Haͤnden ruhe, und wenn ich nicht Ihr unbeſonnenes, unmenſchliches Be⸗ nehmen damit buͤßte, ſo iſt dies keinesweges Ihr Verdienſt. Habe ich alſo nichts zu vergeben? Aber ich verzeihe Ihnen! ſchloß ſie und reichte die Hand, welche ſie bis jetzt zu geben verweigert hatte, mit einer ſtolzen, herablaſſenden Miene dar.Mir

iſt ſehr viel Unrecht geſchehen, viel Beleidigung an⸗

gethan worden. Doch ich vergebe ſie!

Gertrude bebte mit Schaudern vor dem Weſen zuruͤck, das noch immer ſo verkehrten Sinn zeigte, deſſen Seele noch mehr verdorben, ſtatt durch das Gericht, dem ſie anheimgefallen, gelaͤutert worden war. Doch ſanft faßte ſie die dargebotene Hand und ſagte:

Wenn Menſchen vergeben, iſt es nichts; gluͤcklicher ſind die, welche verzeihen, als ſich verzeihen laſſen; doch ich flehe zu Gott, zu dir, der mein Ge⸗ bet erhört, daß mir vergeben ſey, wie Sie jetzt ſagten!

Sie drehte ſich um und verließ das Zimmer.