Daß hier auf glatter Srirn der Jugend ſchon Der Kummer ſeine Furchen eingegraben. Gertrude nahm zuerſt das Wort: „Ich habe Sie gern ſehen wollen, um Ihnen die grenzenloſe Dankbarkeit zu bezeigen, welche ich Jh⸗ nen fuͤr Ihre Freundſchaft ſchuldig bin. Dann— Sie baten mich einſt, ihr zu verzeihen, die mich ſo beleidigt hat. Ich wollte es nicht, denn damals war ich ſtolz, leidenſchaftlich, rachſuͤchtig. Jetzt mochte ich
wohl zu ihr gehen und ihr vergeben, wie ich hoſſe, daß auch mir verziehen ſey!“
„Theure Gertrude!“— rief Lyndſay geruͤhrt. „Wie gluͤcklich machen Sie mich; aber demuͤthigen Sie mich nicht, indem Sie von Dankbarkeit gegen mich ſprechen. Weniger zu thun, als ich gethan habe, da ich die Mittel dazu hatte, waͤre ſtrafbar geweſen. War ich im Stande, Ihnen zu dienen, ſo iſt dies mehr, als hinreichende Belohnung. Ich habe eine ſehr eigennuͤtzige Rolle bei Ihrer Rettung geſpielt. Ihr Gluͤck machte das meinige. Umſonſt ſuchte mein Herz ein verſchiedenes Intereſſe zu denken. Es kann es . nicht!“
3„Sprechen Sie nicht ſo, theurer Freund!“
„O, Gertrude, ich habe ſo lange geſchwiegen! Geſtatten Sie, Ihnen zu ſagen, daß ich Sie vom ne erſten Augenblick an geliebt habe—“
„Nein, nein!“ fiel ihm Gertrude mit ſteigender Aengſtlichkeit ins Wort.„Seyn Sie mir Alles, was


