Teil eines Werkes 
3. Th. (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

291

Dreiunddreißigſtes Kapitel.

Wenn ſich der Schmerz nur mäßig zu der Freude miſcht, Erquickt er ſie, wie Thau die holde Lilie;

Doch kommt ein uebermaß, dann ſinkt die Hoffnung hin, Vei allem Troſt vermögen wir es nicht,

Das Haupt zu heben. Maſſinger.

Doch lange konnte der Zuſtand von uͤbermaͤßig auf⸗ geregten Gefuͤhlen nicht dauern. Umſonſt kämpfte Gertrude gegen die verzehrende Vorſtellung, wie elend und ungluͤcklich ſie ſey. Umſonſt unterdruͤckte ſie jeden Seufzer in der Geburt und jede Thraͤne, ehe ſie noch zum Vorſchein kam und ſpottete ſtolz der Schwaͤche, welche dadurch verrathen worden waͤre. Umſonſt ſagte

ſie ſich tauſendmal, daß ſie ruhig ſey, daß ſie ſich

wohl befaͤnde. Das tobende Gehirn, das ſchmerzende Herz gab eine andere Kunde und ſie mußte endlich dem Fieber unterliegen, welches ſchon einige Zeit lang ſich ihr bemaͤchtigt hatte. Jetzt war die Beſinnung hin. Mehrere Tage zweifelte man an ihrem Leben. Der arme Onkel 19*

.