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geliebt, ohne daß ein Flecken die beſſern, uͤbrigen Ge⸗ fuͤhle des Herzens entweiht hatte. Sie alle bluͤhten noch frei und ſchon empor. Gertrude liebte und war geliebt, und ihr Herz athmete froh unter dieſem froͤh⸗ lichen Genuſſe, und der glaͤnzende Regenbogen mit den Strahlen der Hoffnung, des Gluͤcks, verſchoͤnerte jeden Gegenſtand mit ſeinen himmliſchen Farben. Doch Ver⸗ dacht und Mißtrauen beſchattete darum noch nicht die Ruͤckſeite ihres Gluͤcks. Selbſt die engherzigen, ſelbſt⸗ ſuͤchtigen, vorherrſchenden Gedanken, die eben den Lip⸗ pen ihres Geliebten entſtroͤmten, ſchienen ihr blos ſeine feurige Liebe zu verrathen, und ſo ruhte ihr Blick auf ihn mit allem jenen ruhigen Genuſſe eines gluͤcklichen, vertrauenden Herzens.
„Handeln Sie, wie Sie wollen, Gertrude!“ rief der Oberſt endlich.„Mein Schickſal liegt in Ihren Haͤnden. Sie wiſſen, welche Macht Ihnen ward; denn ich ſagte Ihnen, daß ich ſtolz, eiferſuchtig, ſelbſt rachſuͤchtig vielleicht bin, wenn es Sie betrifft! So wie ich aber daſtehe, gelobten Sie mein zu ſeyn. Thaten Sie das nicht?“
„Sobald meine zwei und zwanzig Jahre vorbei ſind; vorausgeſetzt, daß Sie ſich nicht anders beſonnen haben!“ verſicherte ſie ſpottend.
„Anders beſonnen?— Nein, Gertrude, Sie werden manches ſonderbare Ereigniß kommen ſehen— dieſer Fluß kann ſeinen Lauf veraͤndern, dieſe Felſen moͤgen ſich zu Ebenen verwandeln: nur mein Herz kann nicht die Liebe zu Ihnen aͤndern!“


