Ich habe meiner Mutter verſprochen, keine Verbindung einzugehen, bis ich zwei und zwanzig Jahre zaͤhle. Dann aber verſpreche ich Ihnen—“
„Dann?— O, das iſt blos Hohn und Spott! Wenn Sie mich ſo liebten, wie ich Sie, Gertrude, ſo wuͤrden Sie nicht ſo ruhig von Jahr und Tag der Zukunft reden. Jeder Tag ſcheint mir eine Ewigkeit, bis Sie mein ſind und das Schickſal keine Gewalt mehr uns zu trennen hat. Jahre! Sagen Sie doch lieber, daß ich nichts mehr zu hoffen habe. Die Ver⸗ zweiflung ſelbſt wär' ja beinahe ein Gluͤck zu nennen, hält man ſie gegen die unerträgliche Qual ſolcher So⸗ gerung!“
„O, Delmour, warum ſind Sie ſo ungerecht gegen ſich und mich und ſprechen ſo? Ich zweifle ja nicht an Ihrer Treue und Beſtaͤndigkeit, warum zwei⸗ feln Sie an der meinigen?“
„Weil Niemand ſo wie ich uͤber alle Maßen lieben kann; Leidenſchaft ohne Leidenſchaft— Liebe ohne Unruhe iſt mir ein unnatuͤrliches Ding, das ich nicht begreife!“
„Und Liebe ohne Vertrauen zu dem geliebten Gegenſtande iſt mir noch unbegreiflicher! Ich zweifle an Ihrer Treue ſo wenig, wie an der meinigen!“
„Aber man wird alles thun, Ihr Vertrauen zu mir zu vernichten! Ihre Mutter iſt voll Ehrſucht, Gertrude; ſie geizt nach einer glänzendern Verbindung. Sie glaubt, ich ſey Ihrer unwerth und hat vielleicht darin auch recht!“
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