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meine Erziehung und meine Bedürfniſſe zu ſorgen verſprach, was ſie auch mit der äußerſten Zärtlichkeit faſt dreizehn Jahre lang that, und mich gründlich verzog. Ich wurde ein ſo halsſtarriges und eigenſin⸗ niges Kind, daß eine minder geduldige und zärtliche Dame, als es tunde Ger meine Großmutter für mich war, meine Unarten gewiß nicht ertragen dem andei haben würde.“ Quittunge
Es geht ein eigenthümlicher Grundzug durch die Generationen, ſprach er ſprach Ludwig, als er dies geleſen hatte. Häufig tritt zwiſchen Groß⸗ meinen eltern und Enkeln mehr Aehnlichkeit der Geſichtsbildung, ja ſelbſt des Leben ab, Charakters, als zwiſchen Eltern und Kindern hervor, auch häufig mehr Liebe der Großeltern zu den Kindern ihrer Kinder, als dieſen von den
Auch erſiumte war, die
Eines
Dien Eltern zu Theil wird. So wäre zuletzt die oft halsſtarrige Feſtigkeit 35 und Härte im Charakter meiner guten Großmutter zum Theil nur ein mimele Erbe der ihrigen geweſen? Welch' ein eigenthümlicher Reiz liegt in knn Mn dieſem alten Buche— ein ſo langes, vielbewegtes Leben,— es wäre ein. Uche Unrecht von mir, dieſes Buch, ſo wie jene Tagebuchbruchſtücke meiner m Großmutter der Vernichtung Preis zu geben— aber wem ſoll ich ſie anvertrauen? Meinen Vetter Wilhelm Guſtav Friedrich deckt ſeit 1835 ia ber e die Gruft, William, der Vice⸗Admiral, ſtarb ſchon 1813. Ihre Kin⸗ ſih— der kenne ich nicht, ſtehe ihnen fern, bin ihnen fremd, wer weiß, ob ſch Eines von ihnen durch dieſe Gabe erfreut würde! Auch für Leonardus nie tie A Erben kann ſie nicht den mindeſten Werth haben, dieſe Holländer wä⸗ Der 4 ren im Stande, Häringe in die Papiere zu wickeln, welche die Ge⸗ Stdt un ſchichten einſt glühender Herzen enthalten!— Der Einzige, Vincentius ſtunnte. 1 Martinus, der vielleicht dieſe Blätter würdigte, leidet an Geſichts⸗ warten we ſchwäche, die heilige Ottilia rächt ſich an ihrem Kirchlein, weil er ihr, öfneten wie ich große Urſache zu glauben habe, meine anſehnliche Schenkung 6f entzogen und ſie für ſich ſelber behalten hat. Da würden dieſe altfran⸗ ihr un zöſiſch geſchriebenen Blätter ihm nur Mühe machen, ſie zu entziffern. Vetge n
Am Beſten, ich überlaſſe es ganz dem Zufall, daß dieſer ſie in eine barg, den Hand bringe, die ſie dereinſt zu ſchätzen und zu überſetzen weiß. die Ludwig blätterte wieder in dem alten Bande, viel des Anziehenden ſenktun enthielt er noch, eine reiche Stofffülle für Geſchichte damaligen Hof⸗ lebens und perſönlicher Verhältniſſe der weitverzweigten Verwandtſchaft des alten reichsgräflichen Geſchlechts, endlich legte er das Buch zur 5 Seite und ſagte, ſonderbar bewegt: Es iſt ein Grabſtei. ſ
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