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ganz Europa auf ſich lenken, denn nach allen Richtungen hin legt die republikaniſche Propaganda ihre Minen, und ſchon ſind deren in Belgien, Polen, in Italien und in verſchiedenen Theilen Deutſchlands geſprungen— alle dieſe Ereigniſſe, ſage ich, werden zurückgedrängt durch eine Begebenheit, welche uns zu allernächſt auf das Schmerz⸗ lichſte berührt und niederbeugt. Den letzten Stamm des Hauſes Condé hat der Tod gebrochen, und welch' ein Tod!— Ein ſchändlicher, verrätheriſcher, meuchelmörderiſcher Tod unter der ſchwärzeſten Maske! Am 29. Auguſt dieſes Jahres wurde Herzog Louis Henri Joſeph von Bourbon, Prinz von Condé, auf ſeinem Landſitz zu Chantilly am frühen Morgen in ſeinem Schlafzimmer an einem Fenſterkreuz erhängt gefunden, und die Schmach eines Selbſtmordes auf ſein unſchuldiges Haupt gewälzt. Schmerz und Zorn zugleich nehmen mir die Feder aus der Hand— des Herzogs Teſtament iſt eröffnet— lachende Erben nehmen das ungeheure Vermögen in Empfang und die gerech⸗ teſten Anſprüche Anderer werden mit Füßen getreten!— O, meine Sophie! Du bleibſt, was du bisher geweſen biſt, eine arme Waiſe, meine letzte Hoffnung, dir das Glück des Reichthums noch im irdiſchen Leben verſchaffen zu können, denn drüben bedürfen wir deſſen ja nicht, iſt zertrümmert, wie Helm und Schild dem Letzten ſeines Stammes zerbrochen in das Grab nachgeworfen wurden!“
Laß doch Alles dahin ſein, liebes Kind, ſprach Ludwig mit der Ruhe eines Weiſen zur Freundin, die von dieſer Nachricht auf das Tieſſte ergriffen wurde und in Thränen ausbrach; nur keine Thränen um irdiſche Habe, wahrlich, ſie iſt ſo köſtlicher Thränen nicht werth, zumal ſolcher Habe, die Andere beſaßen, nicht wir. Auch ich glaube hier nicht an einen Selbſtmord, möchte aber auch Niemanden verdächtigen. Wir leben wieder in einer böſen Zeit und können nicht wiſſen, wie Alles ſich geſtalten wird.
Du biſt unwohl und regſt dich allzuſehr auf, ſagte Sophie, die mit Sorge wahrnahm, wie ihn alle dieſe Nachrichten immer wieder von Neuem erſchütterten.— Ja, meine Theure, ich fühle mich in der That unwohl, entgegnete der Graf. Die lange Ruhe hat mich verwöhnt, ſo Manches ſtürmt jetzt auf mich ein, ſo Manches tritt mir nahe, was mich ängſtlich und beſorgt macht. Dein Schickſal, Sophie— wenn ich dir entriſſen würde.
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