Teil eines Werkes 
1. Theil (1854)
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Nur der Reunion Orden war es, der ihn rettete und ſchützte. Gleich⸗ wohl wurde er verbannt, und über ſeine Güter die Confiscation ver⸗ hängt. Erſt das Jahr 1814 befreite ihn; mittlerweile hatte Olden⸗ burg die Herrſchaften in Beſitz genommen und wollte dem Grafen nicht einmal die Rechte eines Mediatiſirten zugeſtehen. Darüber ent⸗ ſtanden Prozeſſe, die noch immer ſchweben und den Grafen der Ver⸗ armung mehr und mehr zuführen. Wie wunderbare Geheimniſſe doch in der deutſchen Sprache ruhen! Sie ſagt nicht: ein Proceß ſitzt, ſteht, liegt, nein, ſie ſagt: er ſchwebt, wie ein Raubvogel, ein Falke, Habicht oder Geier in den Lüften ſchwebt, und mit ſcharfem gierigen Auge herab auf ſeine ſichere Beute blickt und zuletzt da ruht der Proceß, wenn er endlich aus iſt, wie wir auch ruhen, wenn es aus iſt mit uns; mir ahnet aber, daß die Proceſſe unſeres Hauſes eine wahrhaft Ahasveriſche Natur in ſich tragen und immerdar ſchweben werden, gleich böſen Nachtgeiſtern.

Welche traurige Ausſicht! rief Sophie mit Theilnahme. Wie froh bin ich, daß du, mein Theurer, losgeriſſen biſt von jenem Hauſe und ſeinen Eeſchicken!

Ich kann auch froh ſein und bin es vom Grunde meines Herzens, ich will nichts wiſſen von Proceſſen! antwortete Ludwig. Jetzt hat der Graf von ſeiner Sara drei Söhne, dieſe wachſen heran, ſein Bruder, Graf Johann Carl hat auch drei Söhne; gib Acht, noch einige Jahre, und die letzteren werden die legitime Abkunft der erſte⸗ ren beſtreiten, und wir können noch einen Kampf der Horatier und Curiatier erleben, freilich nicht mit Schwertern, ſondern mit Advocaten⸗ federn, aus den großen Schwebeſchwingen des vorhin genannten Raub⸗ zeugs; Blut wird dabei nicht fließen, aber außerordentlich viele Tinte, und dieſe wird noch fortfließen, wenn längſt unſer Lebensnachen am umdunkelten Strande des Schattenreichs gelandet iſt.

So machte der Graf häufig der Geliebten Mittheilungen aus ſei⸗ ner und ſeiner Familie Vergangenheit, und wie Vieles ließ ſich für ſie nicht daraus lernen. Da die Zeit es ihm außerdem vergönnte, ſo las Ludwig ſehr viel, und machte ſich bewandert in ſchöner Literatur, Philoſophie und Geſchichte. Auch Phyſik blieb ihm nicht fremd. Es wird erzählt, der Graf habe ſich auch viel mit Meteorologie be⸗ ſchäftigt, wazu des Hauſes Höhe ſich gut eignete; eine Hausapotheke

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