Teil eines Werkes 
1. Theil (1854)
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nackten Zweige der Gebüſche erſchienen ſaftgeſchwellt und zum Theil roſenroth angehaucht, Knospen öffneten ſich ſchon, und melodiſche Hainſängerſtimmen, die Stimmen von Amſeln und Droſſeln, durch⸗ flöteten mit ſchallendem Jubel die weitgedehnte Holzung, welche den Namen des Vareler Buſches führt.

Die Kammerfrau, welche die Schweſter des Haushofmeiſters war, trug der Gräfin, die auf bequemem Armſtuhl an ihrem großen Schreibtiſch ſaß, an welchen wieder andere Tiſche gerückt waren, den Kaffee auf und entfernte ſich in geräuſchloſer Stille. Dieſe Stille liebte die Gräfin ſo ſehr, daß ſie in ihrem Zimmer weder Hunde noch Vögel duldete. Nur eine Cypernkatze, ein Prachteremplar, genoß der großen Gunſt, um die Dame weilen zu dürfen, ſie bisweilen mit ihrem Geſchnurr zu unterhalten und ihre Aufmerkſamkeit durch zärt⸗ liches Anſchmiegen an die hohe Gebieterin von den ernſten Beſchäf⸗ tigungen ab und auf ihre geſchmeidige Perſönlichkeit zu lenken.

Das Zimmer war hell, hoch und weit, voll Bücher, voll Karten, Globen, Münzſchränken, hohe Stöße ausgelochter Tafeln, mit lichtbraunem Leder überzogen, mit untergelegter Pappe zum Einlegen von Münzen waren da und dort zu erblicken. Dokumente und Briefſchaften lagen in Fülle umher, das ganze Zimmer glich ungleich mehr dem Arbeit⸗ ſalon eines reichen Gelehrten, angefüllt mit Geräthen, ſelbſt mit Vaſen und Kunſtarbeiten, ſowie mit Seltenheiten ferner Länder, als dem Zimmer einer Dame, denn da ſtand auch nicht ein einziges Körbchen, außer dem Papierkorb, da lag kein Band, kein Strickzeug, keine Nadel, keine begonnene Stickerei, kein gepreßtes und gemuſtertes Luxusbriefpapier, wohl aber zeigten die Bücher ſtolzen Marokineinband mit Goldſchnitt, zeigten in Gold gepreßt auf dem Einband das reichs⸗ gräfliche Wappen neben einem fürſtlichen, und das Briefpapier, das in ſtarkem Vorrath bereit lag, hatte Goldſchnitt.

Indem die alte Reichsgräfin zwiſchen dem Einnehmen ihres Kaffees und der Unterhaltung mit der ſchönen Katze, die bei dieſem Anlaß ſtets ein ſchmarotzender Gaſt war, ſich mit der An⸗ und Durchſicht zahl⸗ reicher vor ihr hingebreiteter Papiere und Briefe beſchäftigte, ſprach ſie nach Art bejahrter Perſonen laut mit ſich ſelbſt, indem ſie bald dieſes bald jenes Papier oder deren mehrere aufnahm, flüchtig anſah, auch nach Befinden länger bei einigen verweilte und das ſo in Augenſchein