Teil eines Werkes 
1. Theil (1854)
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Mit feſter Haltung, bittere und zugleich tiefſchmerzliche Empfin⸗ dungen gewaltſam in ſich zurückpreſſend und in jugendlichen Trotz ſie verkehrend, begann Ludwig ſeine Habſeligkeiten, ſo viel er deren mit ſich nehmen wollte, zuſammenzulegen, damit Philipp ſie in den Mantelſack packe; er lud mit eigener Hand zwei Paar Reiterpiſtolen und wählte unter zwei krummen Säbeln für Philipp den dauerbarſten und ſchärfſten; für ſich eine Damascenerklinge, auf deren Griff ein Silberplättchen das Wappen der Herzoge von Bouillon zeigte.

Spät ſuchte Ludwig die Ruhe, noch ſpäter fand er ſie durch einen kurzen Schlummer; allzuaufgeregt war das Gemüth des Jünglings, der bisher im ſüßeſten Frieden, nur heitern und anregenden Studien obliegend, oder ländlichen Freuden gelebt hatte, und an den nie ein ſo ſchneidender Mißton herangetreten war, wie an dieſem verhängniß⸗ vollen Abende, der vielleicht das Loos über ſeine ganze Zukunft warf.

Hochbejahrte Perſonen haben wenig Schlaf; auch der rege Geiſt der alten Reichsgräfin bedurfte, trotz der morſchen Körperhülle, nur wenige Ruhe, eben weil er den Körper beherrſchte. Daher mußte die Leibdienerſchaft der gräflichen Matrone früh auf ſein, das Zimmer angemeſſen durchwärmen, den belebenden Mokkatrank bereit halten, und dann verbrachte ſie gern die erſten Morgenſtunden in ungeſtörter Einſamkeit, und widmete dieſelben ihren numismatiſchen Studien, ihrem weitverzweigten Briefwechſel, dem Ordnen ihrer vielfachen Pa⸗ piere, die deshalb dennoch nie die gewünſchte völlige Ordnung fanden; dem Nachſinnen und Ueberlegen über die Verwendung ihrer Einkünfte, wie über die traurigen Rechtsſtreitigkeiten. Letztere dauerten indeſſen ſchon zu viele Jahre, ſie war derſelben ſchon zu ſehr gewohnt, als daß ſie dadurch ſonderliche Gemüthsbewegungen auch jetzt noch hätte er⸗ fahren können. In ihrer Seele war Alles klar, feſt, abgeſchloſſen, ihre Willenskraft war eiſern, wie ihr Sinn, und dieſe hohe wichtige Errungenſchaft faſt völliger Leidenſchaftloſigkeit war es eben, die der alten Frau dieſe über das gewöhnliche menſchliche Ziel hinausreichende Lebensdauer erhielt und gleichſam ſicherte.

Der Nebel der Nacht war geſunken, der Morgen lachte aus blauem Himmel frühlingshell durch die hohen Fenſter, die nach dem Parke hinausgingen, an deſſen Rändern ſchon blaue Anemonengruppen und Schneeglöckchen ſich blühend zeigten. Die thaubeperlten noch