habſüchtige Anſchläge gemacht, und durch mancherlei Mittelsperſonen ausgeführt worden, ſo daß es gewiß jedem billig und edel Denkenden einleuchtet, wie beträchtlich der vielfache Verluſt ſein muß, welchen Hochdieſelbe dadurch erlitten. Einer faſt von Haus und Hof, faſt von ihrem ganzen Erbe verdrängten, ein halbes Jahrhundert mit ihrem Gemahl, mit ihren leiblichen Kindern und Kindeskindern in Proceſſe verwickelten, nun bereits im neunundſiebenzigſten Lebensjahre ſtehenden Dame kann das Harte, welches dieſe traurige Nothwendigkeit für ihre mütterliche, gefühlvolle Seele hatte und ſtets haben muß, ebenſo wenig vergeſſen gemacht werden, als der wirklich erlittene beträchtliche Schaden ihr je zu erſetzen iſt.
Erlauben Sie mir, Herr Windt— unterbrach der Graf: nur die eine Anmerkung, daß in gewiſſer Bezichung auf die verehrte Frau Großmutter das Sprichwort paßt: Minder gut, wäre beſſer! Eben dieſe mütterliche gefühlvolle Seele iſt es, die das reiche Familienerb⸗ theil zerſplitterte, drückende Verlegenheiten herbeiführte, zu Schritten hindrängte, vor denen man vor dem Auge der Welt erröthen muß. Die vielen Schenkungen, oft an unwürdige Spekulanten, die unnützen Aufkäufe, die verderbliche Sammelſucht, die Eitelkeit, als Gelehrte glänzen zu wollen, und die masßloſen Täuſchungen aller Art, denen die alte Frau anheimfiel— das iſt's, das iſt die Urſache alles Un⸗ heils von je geweſen. Gott ſei mein Zeuge, daß ich und die Familie den Frieden wollen, daß ich und mein Bruder Johann Carl gern bereit ſind, ſelbſt mit Opfern ihr, die mit einem Fuß im Grabe ſteht, wie uns und unſern Kindern endlich Ruhe zu gewinnen.
Der Graf ſprach dieſe Worte mit ernſter Männlichkeit, keine Spur mehr in ſeiner Rede von der vorhinigen leichtfertigen, höhnenden Redeweiſe, und ſie verfehlten nicht ihre Wirkung auf das Gemüth des Vortragenden. Dieſer fuhr weich und mit Wärme fort: Wonne⸗ reich wird es für meine angebetete Herrin ſein, wenn ich ihr verkünde, daß ſie den Gedanken jetzt billigerer Geſinnungen ihrer, ihr dadurch gewiß aufs Neue theuerer werdenden Enkel mit Zuverſicht hegen darf; wenn ſie hoffen darf, es werde endlich einmal dem ebenſo verderb⸗ lichen als widernatürlichen Rechtsſtreit ein Ende gemacht werden! In dieſer frohen Hoffnung iſt auch ſie auf jede Weiſe bereit, alle bisher Jahre lang gehäuften, unbeſchreiblichen und zahlloſen Kränkungen groß⸗
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