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2. König Zembola und Kapitän Winton. 23
Fläche, ſo glatt und eben, wie ein gebautes Feld, in einer Ausdehnung von acht bis zehn Morgen, auf allen Seiten von ſteilen, mehr als 200 Fuß hohen Klippen umringt, deren oberer Rand mit allerlei Bäumen und Geſträuch be⸗ kleidet war. Gegenüber von der Offnung der Spalte in die Ebene kam ein ſchöner Waſſerſtrahl über die Felſen herab und gab etwa zwanzig Schritte vom Fuß des Felſen einen kleinen See. Die afrikaniſche Sprache nannte dieſen Waſſerfall„Kryſtallkette“.
Nachdem unſer ganzer Trupp durch den engen Paß hin⸗ eingedrungen war, wurde die Löwin bald entdeckt. Sie kauerte hinter einem Felſen und heulte furchtbar. Mein Vater, der ſein Tagewerk bereits gehörig gethan hatte, er⸗ laubte jedem, der wollte, einen Schuß nach der armen Beſtie zu thun, und ich glaube, ſie hat nicht weniger als fünfzig Kugeln erhalten. Dann wurde Befehl gegeben, das Nacht⸗ lager hier aufzuſchlagen. In dieſem eingeſchloſſenen Raume hätten, glaube ich, 10000 Mann bequeme Unterkunft ge⸗ funden. Bald war Brennholz in Menge geſammelt, mehrere mächtige Feuer wurden angezündet, und da ein guter Teil der erlegten Tiere zu den eßbaren gehörte, und auch andere Lebensmittel mitgebracht waren, ſo wurde gemeinſchaftlich eine fröhliche Nachtmahlzeit gehalten. Mein Vater, der in beſonders guter Stimmung war, befahl, jedem Mann eine kleine Portion Branntwein zu reichen, genug zur Erheiterung, aber nicht zur Berauſchung.
Bei dieſer Gelegenheit kann ich bemerken, daß König Zembola im ganzen eher ein mäßiger Mann genannt werden konnte. Mehrere der benachbarten Fürſten, die nur eine Leibwache von 6—8 Mann halten konnten, thaten Tag für Tag nichts anderes, als daß ſie unter den Schatten eines Baumes ſaßen, ihre Pfeifen im Mund und ein Branntwein⸗


