Teil eines Werkes 
8.-10. Bdchn. (1845)
Entstehung
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„Geht ſeitwärts,“ ſagte er zu ſeinen Söhnen,„ſelbſt dieſe dürfen Euch nicht erkennen.“

Der Mönch kam heran und ihm folgte Liſa mit ge⸗ ſenktem Haupte, welche, am ganzen Körper bebend, in Thränen zerfloß.

„O Bruder Benedetto, Ihr habt Euch alſo ſo vieler Unannehmlichkeit und vielleicht Gefahr ausſetzen, wollen, um mir Tröſtung zu bringen?“— Die beiden Alten um⸗ armten ſich und hielten ſich lange feſt umfangen, ſo daß ihre Silberhaare ſich mit einander vermengten. Als ſie von einander ließen, ſah Niecolo die unglückliche Liſa zu

ſeinen Füßen mit der Stirn auf der Erde; denn der An⸗

blick des Vaters an dieſem traurigen Ort, die furchtbaren Vorbereitungen zu ſeiner Hinrichtung und der ſchreckliche Gedanke, daß Alles dieß um ihretwillen geſchehen, hatten ſie in ſolchen Schrecken verſetzt und ſo ſehr zur Verzweif⸗ lung getrieben, daß ſie lieber unter den Froßen Marmor⸗ ſteinen, auf welchen ihr Haupt lag, begraben gelegen, ja lieber gleich in Nichts zergangen wäre, um nur einer Pein zu entfliehen, welche Alles übertraf, was ſie ſich je hatte vorſtellen können. Ihre Glieder zuckten krampfhaft und waren vom Todesſchweiß übergoſſen und ſie vermochte blos mit ſchwacher Stimme zu ſagen:

„O Verzeihung, Verzeihung!“

Selbſt ein Feind hätte ſie bemitleiden müſſen, was mußte alſp das Herz eines Vaters empfinden? Er wollte ſie vom Boden aufheben, aber der Bruder Benedetto ließ ihm nicht Zeit dazuz er richtete ſie auf und ſprach ihr mit wohlwollenden Worten zu. Eben dieſes that Niccolo und ſo brachten ſie es endlich wenigſtens dahin, daß ſie ſich er⸗ hob. Als ſie ihr Geſicht emporgehoben und ihre beiden unbeweglichen Augenſterne gläſern und weit herausgequollen auf ihn richtete, machte Niccolo dieſelbe Bemerkung, welche ſich dem Bruder Benedetto furz vorher aufgedrängt hatte. Er ſagte mit zum Himmel gehobenen Augen:;

Niccolo de' Lapi. M. 11