43
ſenden, wenn er auſgeſtanden ſein würde. Lamberto war bereits auf den Beinen und angekleidet, ſtieg alſo ſogleich herab und ſtellte ſich dem Greiſe. Dieſer hieß ihn neben ſich Platz nehmen, blickte ihn liebevoll 5 und ſagte nach einigen einleitenden Worten zu ihm: „Höre mich an, Lamberto. Wenn dieſe Stadt nicht in ſo großer Gefahr wäre, wie es der Fall iſt, und wenn Du nicht im Hauſe ganz wie einer meiner Söhne betrachtet würdeſt, ſo könnte ich in dieſer Sache nicht ſo offen mit Dir ſprechen, als ich es thue. Aber vieſe ſtürmiſche Zeiten geſtatten kein Zaudern, und bei Dir darf ich es mit meinen Worten nicht zu genau nehmen; denn wir kennen uns einander ja durch und vurch. Du weißt und ich längne es nicht, daß ich ge⸗ gen Piero, deinen Vater, ſehr große Verpflichtungen hatte, und Du wirſt Dich noch erinnern, daß ich Dir ven größten Beweis davon dadurch geben wollte, daß ich, als ich Deine Neigung zu Liſa bemerkte, ſo mit Dir ſprach, daß Du erkennen konnteſt, wie ſehr mir dieſe Verpflichtung theuer iſt.
„Später verhängte Gott Prüfungen über Dich und mich und es traten die Ereigniſſe ein, die Dir bekannt ſind. Aber faſſe Muth, vielleicht iſt es Dein Beſtes geweſen; denn Du verdienſt ein anderes Weib, als dieſe Närrin. Ich halte Dich für einen Mann von zu hoher Geſinnung, als daß ich annehmen möchte, es ſei noch der kleinſte Junke von Liebe, die Du gegen ſie hegteſt, in Dir zurückgeblieben nach dem Benehmen, vas ſie ſich gegen Dich erlaubt hat.
„Ohne weitere Umſchweife alſo, mein lieber Lam⸗ berto, ich habe noch eine Tochter. Bedenke dieſes und wiſſe, daß Niccolo ſeine Augen ruhig ſchließen würde, wenn ihn der Gedanke in ſeiner Sterbeſtunde tröſtete, vaß Laudomia in ſo bedenklichen Zeiten nicht allein und ohne Stütze zurückbliebe... Ich bin aufrich⸗ tig gegen Dich mehr vielleicht, als ſich in ge⸗


