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kaum vermochte ſie den dichten Nebel, der Florenz be⸗ deckte, zu durchdringen; es fiel ein dichter, langſamer und kalter Regen, den man beinahe hätte Schnee nen⸗ nen können, und auf den Straßen war, außer hie und da einem Soldaten und den Rotten der Nachtſchaar— wächter, welche, erſtarrt und in ihre Mäntel gewickelt, in den Regierungspalaſt zurückkehrten, die Kaputze ſo weit als möglich ins Geſicht gezogen, keiner lebenden Seele zu begegnen. Alle Thüren und Fenſter waren geſchloſſen, und die verriegelten Läden zeigten, daß der größere Theil der Bürger noch in Schlaf verſunken war. Man be⸗ gann die Kirchen zu öffnen, aber es befand ſich dort noch Niemand, die Kirchendiener ausgenommen, welche mit Auskehren beſchäftigt waren und etwa ein Sakri⸗ ſtan, der darauf Acht hatte, daß die Altäre ihren Auf⸗ putz erhielten.
Nur in San Marco bei den Dominikaner⸗Mönchen hatten die Glocken, welche eine Stunde vor Tag das Todtengeläute erſchallen ließen, ſchon eine kleine Anzahl von Gläubigen verſammelt.
Das Innere dieſer Kirche war damals noch nicht
mit den Säulen in regelmäßiger Reihe und mit den Altären geſchmückt, welche Gian Bologna ſpäter er⸗ richtete, ſondern hatte ſich noch in ſeinem einfachen ſtrengen Ausſehen erhalten, wie es von dem ältern Cofimo erbaut worden war.“ 8
Vor dem Hauptaltar, zwiſchen vier großen eiſer⸗ nen Leuchtern war eine Bahre auf die Erde niederge⸗ ſetzt, auf welcher die Leiche eines Jünglings lag, der nicht über fünfundzwanzig Jahre alt zu ſein ſchien, zwiſchen ſeinen über die Bruſt gefalteten Händen war ein Crucifix befeſtigt, und der Boden, wie auch die Todtenbahre, war nach florentiniſcher Sitte mit Blu⸗ men und Orangenblüthen beſtreut und über dem Kiſſen, welches ſein Haupt ſtützte, waren zwei geweihte Ker⸗


