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„Dieß iſt,“ rief Doktor Aguilar ſchmerzerfüllt,„ich ſage es noch einmal, dieß iſt unmöglich... Alle Er⸗ kundigungen, die ich über ihn einzog, lauten ſo günſtig als möglich. Er war ſein ganzes Leben hindurch ein Muſter von Tugend. Vater einer zahlreichen Familie, iſt er das Opfer einer abſcheulichen Verleumdung, die ſchon ihre grauſamen Früchte getragen hat, denn ſein Unglück hat die Mutter ins Hoſpital, die Kinder nach St. Bernhard gebracht. Der frühere Lebenslauf eines Mannes ſollte dem Richter von großem Gewicht ſein, denn gewiß wird ein tugendhafter Handwerker nicht mit einem Male zum Mörder.“
Die Ankunft eines Gerichtsdieners unterbrach den Arzt in ſeiner Rede.
„Herr Prokurator, ſagte der Gerichtsdiener,„der Criminalgefangene Anſelm, mit dem Beinamen„der Furchtloſe,“ hat ſo eben im Gefängniß ſelbſt einen Mord begangen. Ich hielt es für meine Pflicht, den Unterſuchungsrichter und Sie, Herr Prokurator, davon in Kenntniß zu ſetzen.“
Tiefes Stillſchweigen folgte dieſem Berichte. Der Prokurator ſah den Mönch und den Arzt an und ſagte mit dem bitteren Tone des Vorwurfes:
„Meine Herrn Vertheidiger der Unſchuld, ſuchen Sie von nun an Ihre Fürſprache beſſer anzubringen, und ſeien Sie überzeugt, daß die Gerichte keinen frem⸗ den Rath brauchen, um Gerechtigkeit zu üben, und das Schwert des Geſetzes über die Schuldigen zu ver⸗ hängen.“
Doktor Aguilar und der Mönch gingen, jener ganz verwirrt, dieſer voll geheimer Freude über ſeinen⸗ Triumph.
Der Prokurator verfügte ſich eiligſt in Begleitung des Gerichtsdieners nach dem Criminalgefängniß.
„
Die verzweiflungsvolle Lage Anſelms, den der
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