Die Schweſtern.
An demſelben Abend, an welchem das im vor⸗ hergehenden Capitel Erzählte vorfiel, ſaßen zwei junge Damen, oder richtiger eine junge Frau und ein junges Mädchen in einem ziemlich elegant möblirten Zimmer, auf dem Sopha neben einander. Es waren Schweſtern, von denen die Aeltere, welche Frau im Hauſe und ſeit drei Jahren an
einen ausſchweifenden, kränkelnden Mann verheirathet
war, Auguſte, die Jüngere aber, welche, obgleich Oſtern ſchon confirmirt, ſich doch noch in einem Erziehungs⸗Inſtitut unweit der Stadt befand, und jetzt nur in den Pfingſtferien einige Tage bei der Schweſter zubrachte, Minna hieß.
Minna ſaß in der einen Ecke des Sopha's und blätterte unſtät in einem ſchon ſehr verleſenen Ro⸗ mane von Paul de Kock umher, während Auguſte in der andern Ecke in nachläſſiger, faſt horizontaler Lage ruhete, und ſie anhaltend und forſchend anſah.
Ich weiß nicht, wie Du mir vorkommſt, Minna, Du haſt Dich ſeit einiger Zeit ungeheuer verändert, und gerade ſeit geſtern und heute biſt Du unruhiger und bizarrer als je. Du haſt Dir doch nicht etwa


