247 darauf beſuchte. Ich fragte ſie um die Veran⸗ laſſung der großen ſchweren Thränen, die von ihren Augen auf der beiden Kinder unſchuldi⸗ ges Geſicht fielen. Sie verbirgt Emilien ihren Kummer, aus Furcht, ihr Widerwillen gegen Heinrich einzuflößen, welches bey ſeiner unbe⸗ ſchränkten Ergebenheit für ſeinen Herrn ſehr unangenehm wäre. Wieviel gäbe Joſephine darum, tugendhafter geweſen zu ſeyn! Und ich, Herr Abbé, ich gäbe drey Viertel meines Vermögens, um das Andenken der Menſchen, denen ich es verdanke, zu verlieren. Ich ſehe es als mein rechtmäßiges Eigenthum an; ſonſt, das kann ich Sie verſichern, würde ich dar⸗ auf Verzicht thun, ſo ſehr ich deſſen bedarf um mich zu zerſtreuen, und zu betäuben. O die ſtrenge Moral hat viel Gutes. Ich werde mich mit Theobald nicht darüber entzweyen.
Jede Art Gewiſſenhaftigkeit iſt mir heilig, wie
ſie auch heißen mag; ſey es auch Achtung für
Geſetze, die ganz aus der Luft gegriffen ſind; ſo einen abgeſagten Haß mein Verſtand gegen


