Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
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chen Voltaireſcher Atheismus, mit dem ſich ſein Witz zuweilen Bewegung machte, und mit dem er es im Grunde nie ernſt⸗ lich gemeint, vermochte ihn vollends nicht um ſeine Selig⸗ keit zu bringen, weil Caſanova am Ende doch noch witziger war, als Voltaire. Aber wie Fauſt in die Tiefen des Weltgeiſtes hineingeſtrebt hatte, wie er liebesbrünſtig nach Vereinigung und Einheit mit demſelben gerungen, ſo kann man von Caſanova ſagen, daß er, gleich einem indiſchen Gott, der ſich in tauſendfache Formen der Weltmaterie ver⸗ wandelt, ſo alle nur möglichen Geſtaltungen und Wand⸗ lungen der äußeren Weltformen an ſich erlebt und mit den⸗ ſelben eins geweſen iſt. Kaum ein Stand, ein Weltver⸗ hältniß, eine Beziehung der menſchlichen Geſellſchaft, worin man nicht Caſanova eine Zeitlang heimiſch und angeſeſſen erblickt. In ſeiner Jugend war er Rechtsgelehrter geweſen, hatte über Teſtamente geſchrieben, und, obwohl der Sohn einer umherabenteuernden Schauſpielerin, in den vornehmſten Geſellſchaften und bei den ſchönſten Damen Venedigs Glück gemacht. Dann fing er auf Einnial an zu predigen, bahnte ſich Ausſichten zu den höheren geiſtlichen Würden, machte dumme Streiche, und wurde Soldat. Hierauf abwechſelnd Militair, Glücksritter, Spieler, Gelehrter, Muſiker, Wunder⸗ doktor, diplomatiſcher Agent, Freund und Geſellſchafter der ausgezeichnetſten und berühmteſten Perſonen ſeiner Zeit, lebte und handelte er in dieſen Eigenſchaften bald in Deutſch⸗ land, bald in Frankreich, bald in Konſtantinopel, bald in Paris, bald in Rom, bald in Petersburg, in Riga und in der Schweiz, in Warſchau und in Neapel, in Madrid und

London, und ſollte in Berlin ſogar zum Direktor der Ka⸗

detten⸗Anſtalt gemacht werden, was er nicht einmal annahm. Wo er wollte, ſehen wir ihn in der glänzendſten Geſellſchaft ſich bewegen, mit den merkwürdigſten Männern auf ver⸗ trautem Fuße umgehn, die ſachkundigſten Geſpräche führen; und wo er nicht wolltte, iſt er nicht minder intereſſant, wenn er der ſpaniſchen Schuhmachertochter in die Meſſe nach⸗ ſchleicht, oder wenn es ihm auf Einmal einfällt, in Venedig als armer Violinſpieler zu leben und in nachdenklicher Ein⸗

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