Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

N S— 8—,

n—A ͤ—

8& †n——ͤe u n.—6 2 8—

—

105

und ſehr liebenswürdige Herzog von Weimar empfängt ihn liebreich, aber augenblicklich wird er eiferſüchtig auf Göthe und Wieland, die dieſer mit Recht beſchützte; er deklamirt gegen ſie und gegen die Landesliteratur, in Berlin gegen die Unwiſſenheit, den Aberglauben und die Schurkerei der Israeliten, an welche ich ihn empfohlen; indeß ſtellt er ih⸗ nen für das Geld, welches er von ihnen leiht, Wechſel auf den Grafen aus, der lacht, bezahlt und ihn umarmt, als er zurückkömmt. Caſanova lacht, weint und ſagt, Gott habe ihm befohlen, dieſe ſechswöchentliche Reiſe zu machen, ſie anzutreten, ohne ihm etwas davon zu ſagen und wieder auf ſein Zimmer in Dur zurückzukehren.

Erfreut uns wieder zu ſehn, erzählt er uns auf eine komiſche Weiſe alle Widerwärtigkeiten, welche er ausgeſtan⸗ den hat, welchen Widerwärtigkeiten ſein Stolz den Namen von Demüthigungen gab. Ich bin ſtolz, ſagte er, weil ich nichts bin. Aber, welch neues Unglück trifft ihn acht Tage nach ſeiner Rückkehr! Es erhalten Alle vor ihm Erd⸗ beeren und für ihn bleiben keine übrig, und zu ſeinem größ⸗ ten Unglück findet ſich ſein Portrait, welches er auf ſeinem Zimmer hatte, und welches er von einem Verehrer entführt glaubte, in einem jener geheimen Kabinette, welche man in Deutſchland Retiraden nennt.

Fünf Jahre lang zerarbeitete er ſich, klagte und ſeufzte er, beſonders über die Eroberung ſeines undankbaren Va⸗ terlandes und ſprach er mit uns von der Ligne von Cam⸗ bray und dem Ruhme ſeines alten und herrlichen Venedigs, welches Europa und Aſien widerſtanden hatte. Da ſein Appetit täglich abnahm, ſo fragte er nur noch wenig nach dem Leben, aber er ſchloß es auf eine würdige Weiſe gegen Gott und alle Menſchen ab. Unter großen Geſticulationen und einigen Sentenzen empfing er die letzte Oelung und ſagte:„Großer Gott! und Ihr Zeugen meines Todes, ich habe als Philoſoph gelebt und ſterbe als Chriſt.“