Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
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aus angeſehenen Leuten beſtand, verſammelte ſich in dem Hauſe, welches der Polizei⸗Direktor bewohnte. Ich ſah hier Pittoni's Geliebte, eine proteſtantiſche Venetianerin, Toch⸗ ter eines deutſchen Kaufmanns und die Frau David Piche⸗ lings, eines ſchwäbiſchen Kaufmanns. Pittoni war in ſie verliebt und blieb es bis zu ſeinem letzten Athemzuge; er liebte ſie dreizehn Jahre lang mit jener Liebe, welche Pe⸗ trarca für die ſchöne Laura fühlte, er ſeufzte und hoffte wie dieſer, aber ohne Erfolg. Dieſe außerordentliche Frau, welche unter dem Namen Zinetta noch bekannter war, und deren Mann das Vertrauen ſelbſt war, war ſehr hübſch. Sie hatte zwei Eigenſchaften, welche ſich ſelten vereinigt fin⸗ den; ſte war eine gute Haushälterin und ſehr muſtkaliſch gebildet; aber eine unverwüſtliche Heiterkeit, eine engliſche Sanftmuth übertrafen bei ihr alle andern Gaben der Na⸗ tur. Ich wollte mich durch eigne Erfahrung über⸗ zeugen, ob ihre Tugend ſo unerbittlich ſei, wie man ſagte, und ich überzeugte mich, daß ſie unangreifbar ſei.

Ich vertraute Pittoni das Reſultat meiner Beobachtungen

und ſagte ihm voraus, daß er nie etwas von ihr erlangen werde. Er nahm darauf keine Rückſicht. Allerdings zeich⸗ nete ſie ihn unter dem Haufen ihrer Anbeter aus, ohne jedoch je von der unverletzlichen Treue abzuweichen, die ſie ihrem Manne verſprochen und die ſie ſich ſelbſt gelobt.

Einige Tage nach Herrn Zaguri's Abreiſe erfuhr ich, daß der Procurator Moroſini angekommen und in meinem Hauſe wohne. Der gute Marco Monti meldete mir dies und rieth mir, demſelben meine Aufwartung zu machen. Das war auch meine Abſicht, denn ich wußte, welchen Ein⸗ fluß Herr von Moroſini durch das von ihm bekleidete Amt und ſeine politiſchen Talente erhielt; übrigens kannte er mich ſeit meiner Kindheit. Der Leſer hat wohl nicht ver⸗ geſſen, daß er mich 1750 in Fontainebleau dem Marſchall Richelieu vorſtellte, zur Zeit, wo Madame Querini Se. Majeſtät Ludwig XV. zu feſſeln ſuchte.

Ich machte große Toilette, als ob ich mich einem Mo⸗

narchen hätte vorſtellen wollen und begab mich zu Herrn Moroſini, der ſich des Lachens nicht enthalten konnte, als